In meinem Blog stelle ich Euch hin und wieder meine Kurzgeschichten zur Verfügung. Wenn Euch die gefallen, würde ich mich über ein Feedback in Form einer Rezension freuen. Gerne könnt Ihr die Short-Stories mit den Buttons auch teilen. Euer Kommentar erscheint erst nach Freigabe, da ich in den letzten Wochen einige Spamnachrichten entfernen musste, bitte ich um Verständnis.


Ich schreibe mal eben ein Buch

Ich schreibe mal eben ein Buch - das dachte ich mir bei meinem Debütroman auch. Ich setzte mich mal eben hin und schrieb. Das hat auch geklappt, aber ich musste schnell merken, dass dies der völlig falsche Weg war und hinter dem Hobby mehr steckt, als mal eben zu schreiben. Nach meiner ersten Veröffentlichung hagelte es Kritik ohne Ende und das völlig zu Recht, wie ich heute denke. Mein erster, ich nenne es heute mal, Entwurf, war das schlechteste was ich bisher gelesen habe. Diesen Weg musste ich aber wohl nehmen, um mich mit meinem Hobby mehr auseinander zu setzen und habe daher mein Debüt vom Markt genommen und überarbeite ihn derzeit. Bisher besteht er aus zwei Teilen und wird nach der Überarbeitung nur noch aus einem Teil bestehen. Zwar bleibt der Grund der Geschichte gleich, aber es liest sich wie eine neue Geschichte und viel besser.

 

Sicherlich denken viele Leser, ich bis zu meiner ersten Veröffentlichung auch, „Autoren schreiben mal eben ein Buch“, „Wow, viel zu teuer das Buch“, usw. Die Gedanken kann ich keinem zu Grunde legen, denn wieviel Arbeit und Herzblut ein Autor in eine Geschichte steckt, kann keiner wissen.

Nach diversen Rückschlägen dachte ich mir öfters „Töpfern ist auch ein schönes Hobby“, „Ich schreibe nie wieder“ usw. Diese Tiefpunkte kennt sicher jeder Autor, Musiker oder auch Schauspieler. Mein erster Impuls weiter zu schreiben, war meine Leidenschaft dazu. Ich wollte meine Gedanken, Träume, Wünsche verpackt mit ein bisschen Phantasie aufschreiben, sie mit anderen teilen. Dabei stolperte ich immer wieder über ein Fernstudium. Die Schule des Schreibens. Ja, das war eine richtige Entscheidung. Nach reifer Überlegung hab ich mich dort angemeldet und wenige Wochen später bekam ich die ersten Unterlagen. Das Fernstudium sollte zwei Jahre gehen, fachlich gesprochen also vier Semester. Die Unterlagen für die ersten sechs Monate lagen ausgebreitet vor mir auf dem Boden. „Oh my god“, dachte ich. Ich überlegte, ob ich wirklich das Richtige tat und ob ich überhaupt die Zeit dafür finden konnte. Schließlich hab ich einen 40 Stundenjob, aber meine innere Stimme sprach zu mir „Hau rein, das wird schon.“ Nun hieß es nach der Arbeit hinsetzten und lernen, was mir leichter viel als gedacht. Was ich nicht beachtet hatte, war das ich nach jedem Heft eine Einsendeaufgabe schreiben musste. Aber auch hier muss ich sagen, wo ein Wille, da ein Weg. 24 Hefte, 24 Prüfungen *Puh*. Mittlerweile bin ich fast fertig mit dem Studium und bin sehr froh, dass ich diesen Weg gewählt habe. Denn die Kritik von meiner Studienleiterin und anderen Autoren im Online-Campus verarbeitet man leichter, als die eines Lesers. Ein anderer Autor weiß, wieviel Herzblut in einem Projekt steckt und schreibt die Kritik höflich.

 Während des Studiums hab ich mein drittes Buch „Blue Fighter Island“ veröffentlich, was mir deutlich besser gelungen ist und ich auch positive Rückmeldungen erhalte. Wobei ich heute sagen würde „Es geht noch besser“, aber man lernt halt nie aus.

 

© Steppographie by Stefan Opfermann

Im Gegenteil. Ich habe Annika Bühnemann kennengelernt, die für mich wie eine Mentorin ist. Sie ist nicht nur Autorin, sondern auch die Gründerin vom Blog „Vom Schreiben leben“. Unteranderem gibt sie Kurse rund ums Schreiben und Marketing. Ich liebe ihre Bücher *schwärm*, ihre positive Einstellung, ihren Lebensweg, ich könnte noch weiter schwärmen. Kurz gesagt, sie ist eine Bereicherung für mein Leben. Lange hab ich sie bei Facebook beobachtet, ihren Blog gelesen und mich schlussendlich dafür entschieden bei ihr einen Schreibkurs zu machen. Mit dem WOW-Kurs schreibe ich mein Debüt neu. In diesem Kurs hab ich so einiges gelernt und mich so intensiv mit meiner Geschichte und den Figuren beschäftigt, wie nie zuvor. Ich habe „Der Traumfänger“ komplett überworfen. Die Figuren von Grundauf neu und intensiver gestaltet, meinen Plot überarbeitet und der Geschichte einen neuen Reiz gegeben. Nun schreibe ich nach und nach meine Kapitel, werde dieses Mal auch einen Lektor um Hilfe bitten und freue mich nun schon darauf ihn nächstes Jahr euch präsentieren zu können.

 

mehr lesen 1 Kommentare

Das Land der Feen und Elfen

Es war eine düstere Novembernacht und ich war allein Zuhause. Der Hund hatte schon ein paar Mal angeschlagen, als er gegen Mitternacht endlich Ruhe gab. Ich wälzte mich noch eine Weile hin und her, hörte das alte Haus ächzen und knarren und war gerade eingeschlafen, als ich spürte, dass es ganz hell im Zimmer geworden war.

Ich öffnete meine Augen und sah vor dem Fenster eine Lichtkugel schweben. Verwundert rieb ich meine Augen. Mein Herz begann wild zu pochen. Obwohl Angst mich überkam, zog mich mein Körper zu dem Licht. Vorsichtig öffnete ich das Fenster. Behutsam und ängstlich griff ich nach der Lichtkugel. Es fühlte sich warm und prickelnd zu gleich an. Funken sprühten aus der Kugel. Plötzlich, und ich wusste nicht wie es geschah, wurde ich in das Licht hineingezogen.

"Da ist er ja", hörte ich Stimmen.

Sie klangen friedlich, als würden sie singen. Vorsichtig öffnete ich meine Augen, knippte sie schnell wieder zu, denn es war so hell, dass ich kaum etwas sehen konnte.

"Mein Junge."

Diese Stimme kannte ich, es war mein Vater. Aber wie war das möglich? Er und meine Mutter waren vor zehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vorsichtig richtete ich mich auf und blickte mich um. Neben mir kniete nicht nur mein Vater, sondern auch meine Mutter.

"Mum? Dad?"

"Ja Timbo, wir sind es", schluchzte meine Mutter.

"Wie kann das sein? Ihr seid doch tot!"

"Das erklären wir dir alles später. Wir sind so froh, dass du nun in diese Welt kommen kannst."

Was hatte das zu bedeuten? Vorsichtig stand ich auf und sah, dass einige Leute um uns herum standen und mich lächelnd anschauten. Sie sahen seltsam aus, sie hatten spitze Ohren, ihre Haut glitzerte und, oh mein Gott, einige schwebten in der Luft. Ängstlich fühlte ich mit meinen Fingern an den Ohren, sie waren ebenfalls spitz. Panisch begann ich zu schreien, schloss meine Augen, als ich etwas Unsanftes an meinem Körper spürte.

"Timbo, wach auf", hörte ich die Stimme meiner Großmutter.

"Timbo! Du hast geträumt!"

Endlich konnte ich meine Augen öffnen und blickte in die Augen meiner Oma. Schweißgebadet lag ich in meinem Bett. Panisch sprang ich heraus, trat vor den Spiegel und betrachtete meine Ohren. Erleichtert atmete ich durch. Ein Glück nur ein Traum, dachte ich.

"Timbo, was ist los mit dir?"

Besorgt blickte meine Großmutter mich an.

"Nichts, alles in Ordnung. Nur ein Traum."

"Dann ist ja alles gut. Ich dachte schon, wir müssten deinen 16. Geburtstag in der Notaufnahme verbringen. Komm her mein Junge, ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag."

"Danke", gab ich verlegen zurück.

"Nun zieh dir was an, ich hab dir einen Kuchen gebacken."

Ich zwang ein Lächeln über meine Lippen, als meine Großmutter mein Zimmer verließ. Meinen Geburtstag hatte ich völlig vergessen. Kopfschüttelnd ging ich ins Bad, zog mich aus und schlüpfte unter die Dusche. Das warme Wasser, lief über meinen durchtrainierten Körper, leicht braun, war er von der Sonne gebrannt.

"Ich hab ein Geschenk für dich. Komm mit."

Verwundert stand ich vom Esstisch auf und folgte meiner Großmutter nach draußen.

"Der hier ist für dich, damit ich dich nicht immer herumkutschieren muss", lächelte sie.

"Oma, dass ist Wahnsinn. Ein Roller, deswegen, sollte ich mich durch die Fahrstunden und die Prüfung quälen?"

"Genau. Er gehört nun dir."

Ich sprang aufgeregt durch die Gegend. Er sah total geil. Schwarz mit Rennstreifen drauf.

"Aber fahr schön vorsichtig", rief meine Oma mit erhobenem Zeigefinger.

"Natürlich! Was denkst du von mir?"

"Ja, ja, ich kenne doch deine Clique."

"Ach Oma, die sind wirklich großartig. Darf ich gleich los?"

"Warte. Ich hab noch was?"

Verwundert schaute ich meine Großmutter an. In der Hand hielt sie ein kleines Schächtelchen.

"Aber Oma, das ist viel zu viel."

Verlegen schaute ich sie an.

"Dies ist nicht von mir."

"Aber von wem dann?"

Meine Großmutter war die Einzige, die ich von der Familie noch hatte.

"Was ist das?", fragte ich verwundert.

"Mach es auf, dann weißt du es."

Neugierig öffnete ich die Schachtel. Verwundert schaute ich hinein. Ich zog an dem Leder, dabei überströmte mich ein Kribbeln im ganzen Körper. Was hatte das zu bedeuten? Ich hielt eine Kette mit einem Schlüssel als Anhänger in der Hand.

"Oma, was ist das?"

"Timbo, dies gab mir deine Mutter, ehe sie starb."

"Aber?"

"Psst, hör mir zu", erwiderte meine Oma.

Sie legte ihren Zeigefinger auf die Lippen, nahm mir die Kette aus der Hand und legte sie mir um den Hals.

"Deine Mutter bat mich, sie dir an deinem 16. Geburtstag zu geben. Du darfst sie nie wieder ablegen!"

"Aber warum?"

"Alles zu seiner Zeit, Timbo. Sei ohne Sorge. Der Schlüssel wird dich behüten."

"Oma? Was soll das heißen? Erklär es mir!"

Doch sie drehte sich um und ging ins Haus. Ehe ich hinterher gehen konnte, wurden mir plötzlich die Augen zu gehalten.

"Happy birthday", erklang die Stimme von Christel.

Freudig drehte ich mich zu ihr herum. Vergaß für einen Moment meine Gedanken, hob sie hoch und drehte sie im Kreis.

"Christel", rief ich freudig.

"Was ist das für eine schöne Kette?"

Hastig versteckte ich sie unter meinem Shirt.

"Hier, das ist für dich", sagte Christel.

"Ein Geschenk? Aber du bist doch schon ein Geschenk", erwiderte ich.

Liebevoll, strich ich ihr über die Wange. Langsam näherte ich mich ihren Lippen. Mein Herz pochte. Unsere Lippen trafen sich. Ein Feuerwerk, machte sich in meinem Körper breit, als ihre Zunge die meine fand.

"Bravo, der Loser hat es geschafft, mein Mädchen zu küssen", hörten wir eine tiefe Stimme.

Erschrocken löste ich mich von Christel und sah Eric. Er war ihr Ex. Panisch wich Christel zurück. Schützend baute ich mich vor ihr auf.

"Timbo, wenn dir dein Leben etwas bedeutet, dann lässt du sie gehen."

"Verpiss dich aus ihrem Leben", rief ich wütend.

Eric kam auf mich zu. Und dann passierte es. Ich wusste nicht wie es geschah. Als ich meine Hände auf sein Gesicht presste, um ihn nach hinten zu schieben, sprühten helle Lichtfunken aus meinen Händen. Eric wurde mit einer Wucht nach hinten geschleudert. Panisch liefen seine Freunde davon und auch Eric rappelte sich auf und rannte davon.

"Du Freak!"

Erschrocken schaute ich auf meine Hände, die Kette begann zu Leuchten.

"Was war das?"

"Ich weiß es nicht", rief ich panisch.

Schweiß lief mir über das Gesicht. Mein Atem ging schwer. Mit meinen Händen ging ich durch mein schwarzes, kurzes Haar. Ich musste weg.

"Es tut mir Leid", wisperte ich zu Christel und begann zu rennen.

Vor meinen Augen begann es zu flackern, bis ich erschöpft auf die Knie sank.

mehr lesen 0 Kommentare

Nur ein Husten


„Mum, mir geht`s gut“, sagte ich meiner Mutter, als ich das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen. Meine Mutter blickte mir sorgevoll hinterher. Meine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten hatte ich vor knapp zwei Jahren begonnen. Anfang des Jahres hatte ich mir eine leichte Erkältung zu gezogen, die mir nicht schlimm erschien. Allerdings plagte mich seitdem ein trockener Husten, was mich nicht davon abhielt weiter arbeiten zu gehen, schließlich fühlte ich mich wieder fit und mich bei meinem Arbeitgeber krank zu melden erschien mir deutlich schlimmer als das bisschen Husten. Dass mich diese  Einstellung wenige Wochen später ins Krankenhaus befördern würde, lag jenseits meiner Vorstellung.

 

Es war Montag der 07.03.2005, der mein Leben veränderte. Der Husten war mittlerweile völlig verflogen und an der Arbeit grummelte mein cholerischer Chef vor sich hin. Egal, was ich an diesem Tag tat, ich bekam einen auf den Deckel, zum Glück hatte ich am Abend Training, um meinen Frust abzulassen. Der letzte Patient hatte die Praxis verlassen und der Feierabend wurde eingeläutet. Seit Jahren betrieb ich Taekwondo, mal mit mehr Begeisterung, mal mit weniger, mit dem Beginn meines Arbeitsleben vor knapp zwei Jahren war ich froh gewesen, hier meinen Ärger ablassen zu können. Ein paar Kicks mit Kraft auf das Schlagpolster fühlten sich befreiend an. In der Halle angekommen, zog ich mich schnell um und betrat den Trainingsraum oder koreanisch Dojang. Da die Abteilung wie ein kleiner Familienbetrieb war und bis heute noch ist, begrüßte ich meine Eltern und meine zwei Jahre ältere Schwester. Frustrierend erzählte ich ihnen von meinem Arbeitstag und bat meinen Vater darum etwas gegen meinen Ärger zu machen. Ich war mit meinen 1,59 Meter nicht gerade die Größte, aber wenn ich sauer war, konnte ich zum tasmanischen Teufel werden. Meine langen, blonden Haare band ich mir zum Zopf zusammen, zog meinen Gürtel um und stellte mich zum Angüssen auf, dies gehörte zur Tradition des Sportes. Vor dem Trainingsbeginn verbeugt man sich vor der Südkoreanischen Flagge und vor dem Trainier, der vor der Gruppe steht. Ich hatte meinen ersten Dan vor zwei Jahren absolviert, mein Körper war gut durchtrainiert und Sport zu der Zeit das, was ich am liebsten in meiner Freizeit tat. Der zweite Dan, das war mein Ziel, worauf ich derzeit hinarbeitete. Gemeinsam mit den Schülern wärmten wir uns auf, wenig später durfte ich mich mit meiner Schwester zurückziehen, um das Schlagpolster zu bearbeiten, Kick für Kick spürte ich, wie es mir besser ging. Die erste Gruppe war zu Ende, nun wollten die Erwachsenen trainiert werden. Wir hatten einige neue Schüler in der Gruppe, daher teile mein Vater mich nach dem Aufwärmen dazu ein, mit den neuen die ersten Grundtechniken zu üben, und da passierte es. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Die Schüler sollten den Arae-Makki lernen, ein Block mit dem Arm und einer geschlossenen Faust nach unten. Gespannt schauten sie mich an, als ich mich vor sie stellte, um den Block zu zeigen, als ich plötzlich ein Ziehen in meinem rechten Arm spürte, gefolgt von einem Kribbeln bis in die Fingerspitzen, die Luft zum Atmen wurde weniger. „Papa, ich geh kurz auf die Toilette“, rief ich meinem Dad durch die Halle zu. Der Weg zur Umkleide war die Hölle auf Erden, die Luft wurde mit jedem Schritt weniger, mein Brustkorb fühlte sich an, als würde er eingeschnürt werden. Wie ein nasser Sack ließ ich mich auf die Bank in der Umkleide plumpsen, meinen Kopf versenkte ich in meinen Händen und versuchte zu atmen. Es dauerte einige Minuten, bis ich wieder Luft bekam und mich gut fühlte, belanglos tat ich es mit dem anstrengenden Tag und der Verausgabung in der ersten Gruppe ab und ging wieder in die Halle. Nur wenige Schritte, nachdem ich die Umkleide verlassen hatte, spürte ich wieder, wie mir jemand die Luft abzuschnüren versuchte. Schwäche wollte ich aber nicht zeigen. Wieder stellte ich mich vor die Gruppe, nahm den Arm erneut zum Schwungholen aus und vernahm wieder dieses Ziehen, japste nach Luft und war froh, dass meine Mutter mich ablöste. Ich setzte mich mit meinem Vater vor die Glaswand und berichtete von meinen Problemen.

 „Wir ziehen uns an und fahren ins Krankenhaus“, sagte mein Vater und ich gehorchte.

 

 Im Krankenhaus mussten wir nicht lange warten bis ich dran war, da ich achtzehn war, blieb mein Vater im Wartebereich sitzen. Der Chirurg, der mich zuerst untersuchte meinte, es sei vermutlich nur ein eingeklemmter Nerv, schickte mich dennoch zum Röntgen. Eigentlich ein kurzer Weg, der für mich die Hölle war. Jeder Schritt nahm mir die Luft zum Atmen. Wieder zurück im Behandlungszimmer, klemmte die Schwester das Röntgenbild unter, blickte erschrocken auf und sagte:

 „Setzten Sie sich auf die Liege und stehen Sie bitte nicht mehr auf.“

Ohne dass ich fragen konnte, warum, verließ sie den Raum. Na Super -  dachte ich mir, dass klingt scheiße. Durch meinen Job als Zahnarzthelferin sind Röntgenbilder für mich nichts Unbekanntes, also schaute ich auf meinen durchleuchteten Thorax und sah, dass es auf meiner rechten Seite sehr dunkel aussah, dunkel ist meistens nicht gut. Während ich weiter das Röntgenbild betrachtete, kamen die Schwester, der Chirurg und ein weiterer, mir noch unbekannter Mann, ins Zimmer. Er stellte sich mir höflich als Internist vor, lächelte aufmunternd und blickte besorgt auf das Röntgenbild. Ich fragte mich, was mit mir passiert war, als der Internist sich vor mich setzte.

 „Sie haben einen Spontan-Pneu.“

 Ok, und was ist das – dachte ich mir und schaute ihn scheinbar so fragend an, dass er direkt weiter sprach.

 „Ihre Lunge ist gerissen und zusammengefallen, daher die Atemnot. Wir müssen Sie hierbehalten.“

 Ein Kloß machte sich in mir breit, krampfhaft versuchte ich die Tränen herunterzuschlucken.

 „Können Sie meinen Vater hereinholen“, bat ich die Schwester.

 Mit gesenktem Kopf spürte ich, wie die Tränen sich langsam auf den Weg über die Wangen machten. Die Schwester hatte meinen Vater scheinbar auf dem Weg darüber informiert, was passiert war, denn er schaute mich erschrocken an und nahm mich in den Arm. Der Arzt erklärte ruhig und ausführlich, was mit der Lunge passiert war, doch keines der Worte nahm ich auf. Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf, Angst machte sich in meinem Körper breit, wie sollte es nun weiter gehen. Der Arzt schien fertig zu sein, setzte sich neben mich und versuchte beruhigend zu mir zu sprechen, doch auch diese Worte zogen an mir vorbei.

 „Wann kann ich hier wieder raus?“, fragte ich leise.

„Ich weiß, dass Sportler schnell wieder hier raus wollen, aber Sie müssen sich Zeit geben“, erwiderte er.

  Die nächsten zwei Tage verliefen meiner Meinung nach viel zu langsam. Der Arzt gab sich viel Mühe mich aufzumuntern, nahm sich Zeit mir alles zu klären und mir Mut zuzusprechen. Es stellte sich heraus, dass dieser Lungenriss durch den verschleppten Husten kam, wobei sich ein Lungenbläschen gelöst haben muss und geplatzt ist, was zu dem Riss geführt hatte. Der Sauerstoff, den ich durch die Nase bekam half leider nichts und somit musste ich in ein anderen Krankenhaus verlegt werden, was mir schwer viel. Ich hatte Angst vor dem, was kam. Der Arzt, der mich die ersten drei Tage betreute mir viel Mut zugesprochen, der mich aber schnell verließ, als ich mit dem Krankenwagen in ein anderes Krankenhaus gebracht wurde.

 

Diesen Schockraum werde ich nie in meinem Leben vergessen, was dort mit mir passierte sind Erinnerungen, die tief in meinem Kopf verankert sind. Kurzerhand erklärte mir der Arzt, was er nun machen würde, damit meine Lunge wieder dorthin komme, wo sie hinsollte und dass dies unangenehm sein könnte. Schon bei der Erklärung wurde mir heiß und kalt, Angst wanderte durch meinen ganzen Körper und ich wünschte meine Mutter wäre bei mir, würde meine Hand halten und ich wusste, sie würde es tun, wenn sie es dürfte, doch in den Schockraum durfte sie nicht herein. Ich musste alleine dadurch und schickte Stoßgebete in den Himmel, dass es schnell vorbeigehen würde. Mir sollte eine Drainage gelegt werden, die an einem Gerät angeschlossen werden sollte, das ein Unterdruck (Sog) erzeugt, was dazu führt, dass das Lungenfell wieder am Rippenfell anliegt, wo es hingehört. Der Arzt, ein Assistenzarzt zu meiner Rechten und die Schwester zu meiner Linken. Es gab einen kleinen Pick, der Assistenzarzt hielt meinen Arm fest und das Skalpell eröffnete ein wenig meinen Thorax, Blut floss aus meinem Oberkörper heraus und ich beobachtete den Arzt ängstlich. Ich sah, wie er einen langen Schlauch und eine Art Metallstange in der Hand hielt und langsam durch die Öffnung schob. Ein Druck machte sich auf meiner rechten Seite breit, die Schwester nahm meine Hand, als ich zu wimmern begann. Der Druck wurde größer, es schmerzte und die Tränen liefen über mein Gesicht.

 „Aua, aua bitte aufhören“, waren die letzten Worte, an die ich mich erinnere, und plötzlich wurde es dunkel um mich herum.

 

1 Kommentare

Das verflixte 7. Jahr

 

„Ständig muss ich dir deine Sachen hinterherräumen“, brüllte ich meinen Mann an und räumte sein Geschirr weg.

Torben reagierte nicht auf mich, stattdessen stand er vor dem Spiegel und stylte sich seine schwarzen, kurzen Haare. Jeden Morgen stand er stundenlang da und betrachtete sein Spiegelbild, gelte sein etwas längeres Pony nach oben, dreht sich links, rechts, um seinen nackten Oberkörper zu betrachten, wobei er seinen kleinen Bauch einzog und suchte sein Gesicht nach Falten ab, ehe er sich sein langärmliges Hemd anzog. Mit seinen gerade Mal achtunddreißig Jahren hatte er die Oberarztstelle in der nahe gelegen Klinik erkämpft und war seit einem Jahr ständig länger in der Klink. Mich trieb sein Verhalten zur Weißglut, aber seine Mutter hatte mir gesagt, dass sein Vater genauso gewesen sei. Ich hingegen, vermutete eine andere Frau dahinter.

„Torben?“, rief ich erneut.

„Ich muss zur Arbeit!“, erwiderte Torben und verließ das Haus.

Seit Monaten verdrückte er sich zur Arbeit, wenn wir stritten. Ich schaute auf die Uhr und schluchzte. Greta, unsere fünfjährige Tochter musste geweckt werden. Leise öffnete ich die Tür und schlich an Gretas Bett. Plötzlich drückte sie den Lichtschalter und ich schreckte zusammen. Greta saß in ihrem Bett und hielt ihren Hasen, Schnuffel, fest im Arm.

„Bist du böse auf Papa?“, fragte sie traurig.

„Guten Morgen“, versuchte ich sie abzulenken.

„Bist du?“

„Ja, aber das ist nicht schlimm.“

„Hast du geweint?“

„Ach, meine Kleine, mach dir keine Gedanken, dass wird wieder besser. Du streitest dich doch auch mit Max. Und kurze Zeit später spielt ihr wieder zusammen.“

Greta schien dies so zu akzeptieren, denn sie lächelte mich an.

„So und nun raus aus den Federn und ab ins Bad“, sagte ich fröhlich, obwohl mir nicht so zumute war.

Während Greta sich anzog und ihre Zähne putzte, nutzte ich die Zeit, um ihr Frühstück für den Kindergarten zuzubereiten. In wenigen Wochen waren Sommerferien und danach ging für Greta der Ernst des Lebens los, sie wurde eingeschult. Wie war sie nur so schnell groß geworden? Das Piepsen meines Handys riss mich aus meinen Gedanken.

Es tut mir Leid. Lass uns heute Abend in Ruhe darüber reden.

Ich ließ mir Zeit mit einer Antwort, schließlich wollte ich ihn etwas zappeln lassen. Aber nun mussten wir uns beeilen.

„Greta, wir müssen los“, rief ich, beim Blick auf die Uhr etwas hektisch. Greta kam angerannt, nahm ihren Schnuffel und Rucksack und ließ sich von mir die Schuhe anziehen.

„Brauchen wir heute keine Jacke?“

„Nein, mein Schatz, es ist warm draußen.“

Greta durfte heute mit ihrem Roller fahren, damit wir schneller waren, denn sie neigte beim Gehen zu Trödeln, was mich wahnsinnig machte. In der Kita war Greta schnell mit ihrer Freundin verschwunden und ich sputete zum Bäcker, wo ich morgens jobbte, um nicht nur als Mutter und Hausfrau zu Hause herumzuwandern.

 

Die Zeit bis zum Nachmittag war schnell vergangen und Greta war verabredet, was mir Zeit verschaffte in Ruhe mit meiner besten Freundin einen Kaffee trinken zu gehen. Paula und ich kannten uns seit dem Kindergarten und wir waren damals und auch heute nicht auseinanderzubekommen. Niemanden kannte ich so gut wie Paula, wir konnten uns blind vertrauen und ich suchte gerne Rat bei ihr.

„Ach Süße, du siehst wieder traurig aus“, sagte Paula, nachdem wir uns eine Latte bestellt hatten.

„Du dafür umso glücklicher. Bist du verliebt?“, versuchte ich abzulenken.

„Ach was, wo denkst du hin. Verliebt? Dann würd ich so dasitzen wie du.“

„Wie sitz ich denn hier?“

„Wie ein Trauerkloß! Du solltest Single werden. Schau mich an, wie die aufgehende Sonne am Morgen. Du hast keinen Stress, musst keine Rechenschaft ablegen und vor allem kannst du unternehmen was du willst.“

„Da hast du Recht, ich liebe Torben ja, aber immer macht er Doppelschichten und bleibt länger da bleiben, weil es dem Patienten XY schlecht geht. Das nervt mich. Und wenn er nach Hause kommt, hat er miese Laune, keine Zeit für Greta, geschweige denn für mich.“

„Habt ihr Sex?“, hakte Paula nach.

„Paula“, stieß ich erschrocken vor.

„Was denn? So was hat man in einer Ehe oder etwa nicht?“

„Ganz ehrlich? Seit Monaten tote Hose“, erwiderte ich traurig.

„Wie lange seit ihr verheiratet?“

„Sieben Jahre sind es jetzt. Manchmal glaub ich, er hat eine Andere.“

Traurig blickte ich zu Boden und die Tränen schossen mir in die Augen.

„Ach Süße, nicht weinen. Torben hat sicherlich keine Andere. Es ist das verflixte siebte Jahr, in dem übrigens die meisten Ehen geschieden werden.“

„Wie aufbauend. Vielleicht bin ich ihm zu hässlich geworden, schau mich an. Der Bauch wabbelt, verziert mit hässlichen Streifen aus der Schwangerschaft, mein Arsch hängt, meine Brüste sind ausgesaugt und mein erstes graues Haar hab ich gestern im Spiegel gefunden.“

„Mariella, jetzt übertreibst du aber. Du bist eine wunderschöne und intelligente Frau. Und sexy bist du auch.“

„Wo bitte bin ich sexy? Du bist sexy, mit deinem Sixpack Bauch, den durchtrainieren Beinen, braune und sanfte Haut ohne Risse und Falten.“

„Warum änderst du nichts an dir, wenn du dir nicht gefällst?“, fragte Paula nach.

„Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht gefallen, aber wenn ich daran denke, dass Torben vielleicht etwas mit einer anderen Frau haben könnte, womöglich eine der sexy Schwestern von der Station, die einen makellosen Körper haben, dann hasse ich mich manchmal dafür. Okay, eigentlich nur in diesen Momenten, also eher weniger.“

„Du weißt, aber schon was du willst, oder?“

„Wie meinst du das?“

„Liebst du Torben oder nicht?“

„Ja, ich liebe ihn schon, aber nicht so, wie er im Moment drauf ist!“

„Dann rede mit ihm darüber, statt Frust aufzubauen! Er ist ein Mann, woher soll er ahnen, dass du mit der momentanen Situation unzufrieden bist?“

Der Nachmittag war viel zu schnell vorbeigegangen und ich musste los, um Greta abzuholen, schließlich wollte das Abendessen zu bereitet werden. Während ich Nudeln mit Bolognesesoße kochte, erzählte mir Greta freudig, was sie mit ihrer Freundin alles unternommen hatte. Mir fiel es schwer ihr zu folgen, denn mein Blick huschte immer wieder auf die Uhr.

 

Eigentlich sollte Torben längst hier sein und die Nudeln wurden immer weicher.

„Mama, wann ist das Essen fertig?“

„Gleich“, versuchte ich sie zu vertrösten und griff nach meinem Handy.

Wo bleibst du? Schrieb ich meinem Mann und starrte auf das Display. Irgendwie nervte es mich und ich wählte seine Nummer. Die Mailbox ging an, und wäre Greta nicht in der Küche gewesen, hätte ich sämtliche Flüche losgelassen, so aber legte ich auf und ließ mein Handy mit Schwung auf die Anreiche gleiten. Wieder überkam mich das Gefühl, als sei er wieder mit einer anderen Frau unterwegs und ich überlegte, ob ich in der Klinik anrufen sollte, um ihm nachzugehen, ob er wirklich noch in der Klinik sei. Aber wenn ich mich als seine Frau ausgäbe, dann würde er sicherlich sauer werden, weil ich ihm nachspionierte. Und wenn er mir treu ist, wäre das auch nachvollziehbar. Ich dachte einige Zeit darüber nach und schickte Greta schon mal ins Kinderzimmer, wo sie sich den Schlafanzug anziehen sollte. Seit einigen Wochen war Greta dabei, sich alleine anziehen zu wollen, was für mich eine gute Gelegenheit war. Nervös griff ich zu meinem Handy und gab mich als eine ehemalige Patientin aus.

„Städtisches Klinikum, was kann ich für Sie tun?“, hörte ich den Mann von der Rezeption.

Mit Absicht hatte ich nicht direkt meinem Mann auf der Station angerufen, damit ich mich unwissentlich verbinden lassen konnte.

„Meyer schön guten Tag, ich würde gerne Oberarzt Dr. Flink besprechen.“

„Kleinen Moment ich verbinde Sie.“

„Kardiologie, Schwester Britta am Apparat.“

„Meyer schön guten Tag. Ich war vor kurzem bei Ihnen auf der Station und wollte mich bei Dr. Flink gerne für seine gute Behandlung bedanken.“

Ich hoffte darauf, dass irgendeine Frau Meyer in den letzten Wochen tatsächlich dort auf Station gewesen war oder die Schwester nicht weiter nachforschte. Mein Herz pulsierte, als ich am anderen Ende ein kurzen Schweigen und ein Rascheln vernahm.

„Dr. Flink“, hörte ich die Schwester rufen, „eine Patientin ist am Telefon.“

Er war also tatsächlich noch in der Klinik, nun musste ich daran denken, meine Stimme zu verstellen, damit Torben mich nicht erkannte.

„Dr. Flink“

„Hallo Dr. Flink. Ich wollte mich gerne bei Ihnen bedanken, für die gute und vertrauensvolle Behandlung.“

„Nichts zu danken. Dafür sind wir doch da.“

„Ich würde Sie gerne zum Essen einladen, als Dank“, sagte ich und biss mir dabei auf die Zunge.

Das wollte ich gar nicht gefragt haben, aber es kam einfach so aus mir herausgesprudelt, ohne das ich darüber nachdenken konnte.

„Das ist sehr freundlich von Ihnen, Frau?“, er stockte.

„Frau Meyer ist hier.“

„Ach Frau Meyer, ja ich erinnere mich, die junge Frau aus Zimmer 205.“

„Das Sie sich erinnern ist ja unglaublich, wie machen Sie das?“

„Nun ja, wir haben nicht oft Patienten, die mit fünfunddreißig einen Herzinfarkt haben.“

„Wann hätten Sie denn Zeit für ein Essen?“, fragte ich nach.

„Das müsste ich mit meiner Frau besprechen.“

„Oh, Sie haben eine Frau“, mehr sagte ich nicht und legte auf.

Meine Zweifel, dass Torben eine Andere haben könnte, schienen vielleicht unnötig zu sein. Ich fragte mich, wie ich auf so etwas kommen konnte, vielleicht würde es ja auch an mir liegen, dass Torben auf Abstand ging? Die Nudeln kochten über und ich nahm sie schnell vom Herd.

„So Maus, wir können essen“, versuchte ich freundlich zu sagen.

„Und Papa?“, fragte sie traurig.

„Der kommt später.“

Wir deckten gemeinsam den Tisch und aßen zusammen, wobei ich mehr im Essen herumstocherte, was meiner Tochter mit ihren fünf Jahren nicht entging, denn sie hakte bei der Gute-Nacht-Geschichte später nach.

„Muss Papa immer noch arbeiten?“

„Ja, es ist gerade viel zu tun bei Papa auf der Arbeit, aber mach dir keine Gedanken“, liebevoll strich ich ihr über die Wange.

„Es macht dich traurig, oder?“

„Ein bisschen, aber das renkt sich wieder ein. Und nun wird geschlafen.“

Greta nickte breitwillig, kuschelte sich mit Schnuffel in ihre Decke ein und ich las ihr weiter aus dem Bibi-und-Tina – Buch vor. Bis Greta eingeschlafen war und ruhig atmete, waren einige Seiten vergangen und ich machte mir Sorgen, weil sie zu viel mitbekam, vielleicht wäre es besser, wenn ich mit ihr für ein paar Tage zu meinen Eltern fuhr. Da hörte ich den Schlüssel in der Wohnungstür, mein Herz begann zu pochen, leise schlich ich aus Gretas Zimmer.

„Es ist fast halb neun, Greta hat auf dich gewartet“, sagte ich mit ernster Stimme.

„Ich musste noch etwas mit einem Kollegen besprechen“, versuchte Torben sich rauszureden.

„Und dann kannst du nicht Bescheid sagen?“

„Wollte ich ja, aber mein Akku war leer.“

„Ach Torben, das sind doch nur Ausreden!“

„Es tut mir leid, es kommt nicht mehr vor“, erwiderte Torben, wobei er etwas desinteressiert wirkte und sich auf die Couch begab.

„Das geht so nicht weiter!“, fauchte ich ihn an.

„Lass uns morgen reden ich bin wirklich kaputt.“

Torben schaffte es mich auf die Palme zu bringen, wutentbrannt riss ich ihm die Fernbedienung aus der Hand und stellte mich demonstrativ vor ihn.

„Was ist denn dein Problem?“, meckerte er mich an.

„Was mein Problem ist? Du bist mein Problem, du und deine Arbeit! Ständig musst du länger arbeiten, sagst nicht Bescheid und deine Tochter lässt du links liegen!“

„Du wusstest, worauf du dich einlässt, als du einen Oberarzt geheiratet hast!“

„Denkst du, als ich dich vor sieben Jahren geheiratet habe, warst du bereits Oberarzt, nicht ständig in der Klinik und warst auch nicht so pissig drauf.“

„So ändern sich eben die Dinge.“

„Mehr hast du dazu nicht zu sagen?“

„Nein“, blaffte Torben mich an.

Wütend lief ich ins Schlafzimmer, packte einige meiner Sachen in eine Tasche, huschte ins Kinderzimmer und packte Klamotten von Greta zusammen, dabei war ich so leise, dass Greta nicht wach wurde.

Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Torben hatte ich auf die Couch verfrachtet, die gepackten Klamotten vor ihm versteckt und beschlossen, dass Greta und ich morgen nach der Kita zu meinen Eltern fahren würden. Greta hatte ich am Morgen geweckt, damit sie zusammen mit ihrem Vater frühstücken konnte, während ich mich im Bad fertig anzog.

„Ich muss los“, brummte Torben und strecke den Kopf durch die Tür.

„Viel Spaß! Wenn ich Greta aus der Kita abhole, fahren wir ein paar Tage zu meinen Eltern. Ein bisschen Abstand tut uns sicher mal gut!“ Traurig schaute Torben mich an und kam ins Bad.

„Bin ich wirklich so schlimm? Ich werde mich bessern und wieder mehr Zeit für euch habe, versprochen“, sagte Torben und schaute mich traurig an.

„Torben, du bist total überarbeitet und nimmst dein Leben gar nicht mehr wahr! Du musst dich entscheiden, was dir wichtiger ist, aber so geht es nicht weiter.“

„Du hast Recht, vielleicht tut uns etwas Abstand mal ganz gut, damit wir beide überlegen was uns wichtig ist.“

„Wie meinst du das?“, fragte ich nach.

„Marietta, du bist doch auch nicht zufrieden mit deinem Leben oder? Die Arbeit, Greta, der Haushalt und für dich hast du wenig Zeit. Über eine Scheidung denkst du aber nicht nach oder?“

„Nein, ich schmeiße sieben Jahre Ehe doch nicht einfach weg, aber wir sollten uns im Klaren darüber werden, wie es weitergehen soll. Ich muss dringend zur Ruhe kommen, das geht am besten bei meinen Eltern.“

Torben nickte, drückte mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedete sich von Greta.

„Wir fahren Oma und Opa besuchen?“, kam Greta freudig ins Bad gestürmt.

„Ja, nach der Kita.“

„Das ist cool.“

Greta hatte ich in der Kita abgegeben und ging an der frischen Luft spazieren, wo ich seit langem meine Umwelt wahrnahm. Die Menschen eilten umher, unterhielten sich, tranken Kaffee in der Eisdiele, fuhren Fahrrad und die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich her. Dabei überlegte ich, ob ich bei Torbens Job arbeiten gehen musste, diese Hetze jeden Morgen war nicht schön und am Nachmittag erledigte ich den Haushalt und kümmerte mich um Greta, Zeit für mich blieb da nicht viel übrig. Glücklich war ich lange nicht mehr gewesen.

 

Der Tag verging nur langsam und ich war froh, als ich bei meinen Eltern war und sie mit Greta spielten, so konnte ich mal in Ruhe durch die Stadt schlendern und bei einem Kaffee in Ruhe darüber nachdenken, was mir wichtig war und was ich aus meinem Leben streichen sollte. Ich wollte etwas für mich tun und meinem Hobby, dem Malen, wieder nachgehen. Die Bilder konnte ich verkaufen und somit etwas für die Haushaltskasse beisteuern, da ich nicht auf Torbens Tasche liegen wollte, aber ich hätte wieder Zeit für mich. Ich fragte mich, ob unsere Ehe wieder so werden würde, wie sie mal war?

0 Kommentare

Glücksbus Linie 60

Olof Feddersen war ein zeitorientierter Mensch und hasste es, wenn etwas nicht nach Plan verlief. Dass ihm heute nach Feierabend etwas Unerwartetes passieren würde, was sein Leben veränderte, ahnte er in diesem Moment, als er seine Sachen an der Arbeit zusammen packte, nicht.

 

 »Pünktlich auf die Minuten, wie immer Olof«, rief Paolo, sein Kollege, ihm zu, als er seinen PC um punkt 17:30 Uhr runterfuhr.

 »Es gibt nichts Schöneres als einen geregelten Tagesablauf«, erwiderte Olof sarkastisch.

 Er verabschiedete sich, verließ das Gebäude und ging zur Haltestelle, wo sein Bus bereits wenige Minuten später kam.

 »Hallo Olof, was für ein Shitwetter heute, was?«, begrüßte ihn der Busfahrer Otremba.

 »Das kannst du laut sagen«, gab Olof zurück und machte seinen Schirm zu.

 Die Türen schlossen sich hinter Olof und er ging zu seinem Platz, wo er seit acht Jahren saß. Nie hatte jemand auf diesem Platz gesessen, aber heute Abend war es anders. Eine junge Frau, Olof schätze sie auf Mitte dreißig, saß auf seinem Platz und schaute aus dem Fenster.

 »Würde es Sie stören, wenn Sie sich woanders hinsetzen?«, fragte Olof höflich.

 Sie drehte sich um und ihre langen, blonden Haare fielen ihr halbseitig übers Gesicht. Mit ihren blaugrünen Augen schaute sie Olof direkt an.

 »Der ganze Bus ist leer und Sie wollen ausgerechnet auf den Platz, wo ich sitze?«, fragte die Frau.

 Sie lachte kurz auf und schaute wieder aus dem Fenster. Der Bus hatte sich in Bewegung gesetzt und Feddersen bekam nichts mehr um sich herum mit.

 

»Hören Sie, junge Frau, ich weiß Sie verstehen das nicht, aber würden Sie sich bitte einen anderen Platz suchen?«, fragte Olof erneut.

 Sie blickte zu Olof und nahm ihn jetzt erst richtig wahr. Verkrampft hielt er sich an der Stange im Bus fest, seinen Aktenkoffer hatte er zwischen die Beine gestellt und seine schwarzen Haare waren nass vom Regen. Seine blauen Augen schauten Sie eindringlich an.

 »Setzen Sie sich doch einfach neben mich und dann ist gut.«

 »Bitte, lassen Sie mich auf diesen Platz«, erwiderte Olof.

 Langsam kochte die Wut in ihm hoch und er zog die Frau am Ärmel.

 »Hey, was soll das? Sind Sie total irre geworden?«

 »Lassen Sie mich auf meinen Platz!«

 Die Röte stieg in Olof ins Gesicht und er griff sich ihre Handtasche.

 »Geben Sie mir meine Handtasche zurück!«, fauchte sie ihn an.

 »Nur wenn Sie endlich aufstehen und mich auf meinen Platz lassen!«

 »Was ist Ihnen denn so wichtig an diesem scheiß Platz?«, fragte sie Olof.

 Mittlerweile war sie aufgestanden und stinksauer.

 »Dieser Platz«, begann Olof, doch ehe er weiter erklären konnte, bremste der Bus abrupt und Otremba kam zu den beiden nach hinten.

 »Olof, was soll das denn? Was machst du die Frau so an?«

 »Das geht dich nichts an«, gab er zurück.

 So sauer kannte Otremba seinen langjährigen Fahrgast gar nicht.

 »Olof, jetzt reicht es aber! Müsstest du nicht eh schon längst ausgestiegen sein?«

 Verwundert schaute Olof nach draußen.

 »Verdammt, jetzt hab ich wegen Ihnen sogar vergessen, dass ich vor vier  Haltestelle bereits rausgemusst hätte.«

 Otremba wollte noch etwas sagen, aber da war Olof bereits aus dem Bus verschwunden. Seinen Kragen hatte er nach oben geklappt und den Schirm geöffnet. Der Regen peitschte ihm ins Gesicht. Nun musste er ein ganzes Stück laufen. Der Wind hob sich unter den Schirm und er klappte nach außen. »Na toll«, dachte Olof sich, auch das noch. Völlig durchnässt bog er in die Lindenstraße, wo er viel Blaulicht zu sehen bekam. Menschen liefen panisch hin und her. Eine Stunde später als geplant, war er zu Hause angekommen und er fragte sich, was passiert war. Plötzlich sah er das Unglück, ein Auto stand halb in der Hauswand. Eine Nachbarin kam mit einem Polizisten auf ihn zu und erklärte ihm die Umstände.

 Ein junger Mann hatte die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war von der Fahrbahn abgekommen. Dabei war er mit hoher Geschwindigkeit in die Hausmauer geprallt und stand halb in Olofs Wohnzimmer. Genau dort, wo er um diese Zeit eigentlich gesessen hätte, wenn ihm diese Frau im Bus nicht begegnet wäre. Der Streit hatte also etwas Gutes gehabt.

 

 Wenige Tage später begegnete er der Frau erneut im Supermarkt.

 »Sie schon wieder«, begrüßte Olof sie freundlich.

 »Ach, so höflich heute? Jetzt sagen Sie mir doch mal, was es mit diesem Platz auf sich hat im Bus!«

 »Wissen Sie, vor neun Jahren war meine Frau in der Linie 60 ums Leben gekommen, sie saß genau auf diesem Platz. Seitdem sitze ich dort. Im Glauben daran, dass ich ihr dadurch näher sein kann.«

 »Oh je, das tut mir leid. Ich wusste ja nichts von dem Unglück.«

 »Also seit letzter Woche ist die Linie 60 mein Glücksbus und Sie mein Schutzengel!«

Die junge Frau verstand nur Bahnhof, aber seit diesem Tag fuhren die beiden nun jeden Abend gemeinsam nach Hause. In ihrem ganz persönlichen Glücksbus.

 

0 Kommentare

Ein unwiderstehliches Angebot

»Wow,«, hörte ich meinen Freund aufgeregt rufen.

 

Während ich das Bad säuberte, war er, wie immer, an seinem Laptop beschäftigt. Patrick war Eventmanager und Überlebenskünstler. Weil er freiberuflich arbeitete, war er mal hier und mal dort, aber nie fest an einem Ort. Meine Neugier trieb mich zu ihm ins Wohnzimmer.

 

»Was ist der Wahnsinn?«, fragte ich.

 

Erschrocken schaute er mich an und klappte den Laptop zu, als  ich mich neben ihn setzte.

 

»Ähm, nichts«, stotterte er.

 

Ich rollte mit den Augen und Patrick drehte verlegen seinen Kopf zur Seite. Dabei kam sein Feuermahl, hinter dem Ohr zum Vorschein. Ihm war es peinlich und er versuchte es mit seinen Haaren zu verdecken. Seine braun, gelockten Haare strich er übers Ohr, was aber nicht reichte, um das Mahl zu verstecken Seine Haare sahen jedes Mal, wie frisch durchgewuschelt aus. Nervös biss er auf der Unterlippe herum. Gestern Abend war er aus München gekommen, wo er seine Wohnung hatte. Wir führten eine Fernbeziehung, die sehr gut lief. Patrick war kein Mensch, den ich an einen Ort binden konnte, aber ich ließ ihm diese Freiheit, denn unsere Liebe war stark genug.

 

»Jetzt sag schon. Hast du etwas ausgefressen?«, hakte ich erneut nach.

 

»Nein, also nicht direkt. Versprich mir, dass du nicht sauer wirst, wenn ich dir sage, was geschehen ist!«

 

»Versprochen«, gab ich zurück.

 

Er fuhr den Laptop hoch und ich sah ein Angebot von einer Rederei. Mit aufgerissenen Augen starrte ich auf den Bildschirm. Zeile für Zeile lass ich mehrfach das Anschreiben, damit ich mich auch nicht irrte.

 

»Wow, krass«, sagte ich, als ich fertig war.

 

Ich lehnte mich nach hinten an die Couch und grübelte darüber nach, wie das wohl gehen sollte, wenn er auf dem Schiff war und nur selten Netz zum Telefonieren oder Schreiben hatte.

»Schatz, ich weiß, das ist nicht das, was du gerade lesen wolltest, aber du weißt, dass ich da von träume.«

»Ich weiß.«

Liebevoll nahm ich seine Hand und lächelte ihn an.

»Leb deinen Traum und nimm das Angebot an. Wer weiß, wann du so eine Chance wieder bekommst.«                     

»Echt jetzt?«, fragte er erstaunt.

»Ja echt jetzt. Die Rederei bietet dir an, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, davon hast du lange geträumt. Du wärst schön blöd, wenn du es nicht annimmst. Die Welt steht dir offen und du wirst viel erleben, was du an Land nicht geboten bekommst.«

Patrick quietschte vor Freude und drückte mich so fest, dass ich kaum Luft bekam. Meine Bedenken äußerte ich nicht, schließlich gönnte ich ihm sein Glück, auch wenn ich unter seiner Abwesenheit leiden würde.

»Und was wird aus uns?«, fragte er plötzlich und wurde ganz ruhig.

 

»Wir kriegen das schon hin. Erstmal sind es ja nur drei Monate«, gab ich zurück.

 

»Du könntest sicher mitkommen und mich begleiten?«

 

»Ach Patrick, du weißt doch, dass ich mein gewohntes Umfeld brauche.«

 

»Komm schon, sei mal spontan. Wir würden zusammen etwas erleben.«

 

»Und was ist nach den drei Monaten? Ich hab einen festen Job und die Wohnung«, gab ich zu bedenken.

 

»Die Wohnung können wir von meinem Gehalt locker halten und wer weiß, vielleicht findest du auf dem Schiff einen Job und dann bleiben wir länger an Bord.«

 

Ich schüttelte den Kopf und ging zurück ins Bad.

 

mehr lesen 0 Kommentare

Das jährliche Ritual zerbricht

»Ist das nicht herrlich, Schatz? Einundzwanzig Grad am ersten Mai«, rief mein Freund von der Terrasse aus.

 

Er hatte bereits unsere Liegestühle heraus gestellt und sich oberkörperfrei auf einen der Stühle gelegt. Die Sonne schien herrlich warm und der Himmel zeigte sich wolkenfrei. Wir hatten beschlossen, unseren freien Tag faul auf der Terrasse zu verbringen. Später wollten wir den Grill anschmeißen und herrlichen Duft verbreiten, um unsere Nachbarn zu ärgern.

 

»Meinst du, die Boisenbergs trauen sich bei dem herrlichen Wetter auf die Terrasse?«, fragte ich Alex scherzend.

 

»Ich glaub nicht. Seit der Mann in Rente ist, haben die ihre Liegestühle nicht vor dem ersten Juni herausgestellt.«

 

»Echt komisch, die zwei. Dabei ist Frau Boisenberg so nett«, gab ich zu bedenken.

 

»Das stimmt, aber auch nur solange bis der Mann in Rente gegangen ist«, erläuterte Alex, mein Freund.

 

Ich legte mich auf die Liege, die ein Stück von ihm weg stand.

 

»Ich habe erst überlegte, unsere Liegestühle, Armlehne an Armlehne zu stellen, wie die Boisenbergs«, sagte Alex.

 

»Damit unsere Arme anfangen zu schwitzen und wir langsam eins werden«, gab ich zurück.

 

Dabei mussten wir beide lachen und merkten nicht, wie unser Gelächter lauter wurde, bis wir von einem Gebrüll unterbrochen wurden.

 

 

 

Herr Boisenberg stand an der Hecke und schaute böse zu uns herüber.

 

»Jetzt reicht es aber, ihr junges Pack«, schrie er uns an.

 

Empört setzte mein Freund sich auf und rief:

 

»Wo ist Ihr Problem? Warum setzen Sie sich nicht auf die Terrasse und entspannen mal?«

 

»Damit wir so verbrennen wie ihr Ahnungslosen?«

 

»Was meinen Sie damit?«

 

»Erst ab dem ersten Juni scheint die Sonne im richtigen Winkel zu uns herab. Die Bäume da drüben spenden erst dann etwas Schatten, sodass die Temperatur von zweiundzwanzig grad auf die Terrasse scheint«, erklärte Herr Boisenberg.

 

Wow, das ist krasser Scheiß, dachte ich. Verwundert über seine Aussage schauten Alex und ich uns an.

 

»Die spinnen«, flüsterte ich Alex zu.

 

Dabei machte ich eine Handbewegung vor meinem Gesicht, um meine Aussage zu verdeutlichen.

 

»Ah ja, lassen Sie mich raten. Die Kreuze auf der Terrasse zeigen an, wo Ihre Liegestühle stehen müssen, damit die Sonne im richtigen Winkel drauf scheint!«

 

»So ist es. Und jetzt seht zu, dass ihr leiser seid«, schrie Herr Boisenberg.

 

Plötzlich ging die Terrassentür bei den Boisenbergs auf und seine Frau kam mit einem Liegestuhl heraus. Sie stellte ihn mitten auf die Wiese, in die pralle Sonne. Herr Boisenberg starrte seine Frau mit offenem Mund an und ging auf sie zu.

 

»Jetzt kommt Action auf«, flüstere Alex und rieb sich seine Hände.

 

Seit fünf Jahren wohnten wir hier und hatten uns das jährliche Ritual der Boisenbergs angeschaut. Dieses Jahr schien es einen anderen Lauf zu nehmen. Gespannt schauten wir zu unseren Nachbarn rüber.

 

»Was machst du denn da?«, fragte Herr Boisenberg aufgeregt.

 

»Nach was sieht es denn aus?«, frotzelte Frau Boisenberg.

 

»Du wirst dich verbrennen!«

 

Herr Boisenberg rüttelte an der Schulter seiner Frau. Sie hatte sich auf ihren Liegestuhl gelegt und versuchte ihn zu ignorieren.

 

»Jetzt mach keinen Blödsinn und komm wieder mit rein!«

 

mehr lesen 0 Kommentare

Die veränderte Zukunft

            Die veränderte Zukunft

 

»Opa schau, die Frau wird wach.«

 

Hörte ich eine helle Stimme an meinem Ohr. Verschwommen nahm ich Umrisse eines Kindes wahr. Die Bilder vor meinen Augen wurden klarer.

 

»Hallo junge Frau«, sagte eine alte, raue Stimme.

 

Ich drehte den Kopf zur Seite. Der ältere Herr, sah durch die schwarze Kleidung und dem grauen Bart zum Fürchten aus. Seine braunen Augen wirkten jedoch vertraulich.

 

»Wo bin ich?«, wisperte ich.

 

»Du bist bei meinem Opa in der Hütte. Wir haben dich im Feld liegen sehen, als wir die Schafe auf die Weide getrieben haben.«

 

Fragend schaute ich die beiden an. Der Junge kam mir bekannt vor.

 

»Wir kennen uns doch?«, fragte ich schließlich.

 

»Nein, wir kennen uns nicht.«

 

»Klar, ich hab dich irgendwo schon mal gesehen.«

 

»Opa, die Frau spinnt. Echt, ich kenn die nicht.«

 

»Na na, Florian, so etwas sagt man nicht!«

 

Mahnend hob der Mann den Zeigefinger.

 

Ich schreckte hoch.Florian Herrmann, natürlich.

 

»Machen Sie langsam. Wissen Sie, was mit Ihnen passiert ist?«

 

 

© Autumn Leaves Background, Gudrun www.fotolia.de

 

Plötzlich erinnerte ich mich, was mir geschehen war. Aber warum hab ich im Feld gelegen?

 

»Wo ist meine Tasche?«

 

»Sie hatten nichts bei sich. Geht es Ihnen gut?«

 

»Der Überfall. Natürlich, ich erinnere mich. Ich war auf der Bank in der Leuschnerstraße und hab Geld abgehoben. Als ich rausging, griffen mich zwei Männer an. Sie waren vermummt, rissen mir meine Handtasche aus der Hand. Meine Papiere, mein Geld, Schlüssel, alles weg.«

 

»Opa, ich sag`s dir, die Frau ist...«, der Junge sprach nicht weiter, sondern machte eine wischende Handbewegung vor seinem Gesicht.

 

»Hey ich bin nicht gaga. Und du bist doch eigentlich...«, ich stockte.

 

»Ich hol einen Arzt«, sagte der Opa von dem Jungen.

 

»Nein, Stopp! Keinen Arzt. Mir geht`s gut.«

 

Florian Herrmann, war der Junge aus meiner Klasse von früher. Aber wie konnte das sein, dass er vor mir stand? Damals erschien er nach den Sommerferien nicht mehr, man hatte uns gesagt, er sei bei einem Badeunfall mit seinem Opa ums Leben gekommen. Das war im Sommer 98 und jetzt schreiben wir das Jahr 2016. Hier stimmte was nicht.

 

»Welches Datum haben wir?«

 

»Den 12.08.«

 

»Welches Jahr?«

 

mehr lesen 0 Kommentare

Tödliche Liebe

 Tödliche Liebe

 

Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich seine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden.

Torsten zog den Reißverschluss seiner Lederjacke bis oben zu. Es war Ende April und der Nachtwind wehte dem 35-Jährigen kühl um die Nase. Von einem Seminar in München war der in der IT-Branche Tätige, braunbegrannte Mann früher als erwartet zurückgekehrt. In dieser Nacht wollte er Diana, seine Freundin, mit einem Heiratsantrag überraschen. Heute feierte sie ihren 32. Geburtstag und Claire, ihre Schwester, hatte ihm verraten, dass die Familie eine Party vorbereitet hatte.

 

Schnell nahm Torsten den letzten Zug seiner Zigarette und drückte den Glimmstängel aus.

 

»Taxi«, rief er laut und winkte ein Auto heran. Lässig stieg er ein.

 

»Wo darf es denn hingehen?«, fragte der Taxifahrer freundlich.

 

»Breite Straße 5, bitte.«

 

Stolz und nervös nahm Torsten ein Schächtelchen aus der Jackentaschen. Die zitternden Finger erschwerten das Öffnen der Schachtel. Zum Vorschein kam ein silberner Ring. Der Taxifahrer schaute in den Rückspiegel und lächelte:

 

»Na, da haben Sie ja etwas Schönes vor.«

 

»Oh ja, das soll eine Überraschung werden. Meine Freundin feiert in ihren Geburtstag rein. Der hier...«, Torsten hielt den Ring hoch, »...der soll ein Geschenk fürs Leben werden.«

 

»Ich drücke Ihnen die Daumen«, sagte der Taxifahrer.

 

 Der Wagen hielt vor der gemeinsamen Wohnung. Frohen Mutes stieg Torsten aus. Verwundert schaute er nach oben. Alles war dunkel, nur im Schlafzimmer war gedimmt ein Licht zu erkennen. Die Uhr schlug ein Uhr, mitten in der Nacht. Etwas früh, dass die Party bereits beendet sein sollte. War etwas schiefgegangen? Leise und mit Herzklopfen schlich Torsten die Treppen nach oben. Vorsichtig schloss er die Tür auf. Aus dem Schlafzimmer, sah der junge Mann einen kleinen Lichtstrahl und vernahm komische Geräusche. Vorsichtig stieß er die Tür auf und traute seinen Augen kaum. Das war ein Stich mitten ins Herz. Mit offenem Mund stand er da und ließ vor Schreck die Reisetasche von der Schulter fallen. Rumps. Panisch drehte sich der Mann, der über Torstens stöhnenden Freundin lag, um. Es war Sven, Torstens bester Freund. Beide waren völlig nackt und die Angst machte sich in deren Augen breit.

 

mehr lesen 1 Kommentare

Der schönste Tag des Lebens

Hallo meine lieben Leser und Leserinnen,

um Euch die Zeit auf mein neues Buch zu verkürzen, stelle ich Euch hier meine Kurzgeschichten vor, die ich in meinem Fernstudium schreiben muss. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen meiner neuen Story. Ich hoffe, dass sie Euch gefällt. Gerne dürft Ihr sie auch teilen :-) Vielen Dank. Nun gehts aber los.

Liebe Grüße

Eure Sandra

 

»Keiner hatte mir gesagt, dass die Nervosität vorher stündlich steigt«, sagte ich zu meinem Spiegelbild. Um mich zu beruhigen, zog ich das weiße Hemd und den schwarzen Anzug an. Mit zitternden Händen versuchte ich, die Krawatte zu binden. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie endlich saß.

 

Zufrieden schaute ich in den Spiegel und lächelte: »Das wird der schönste Tag meines Lebens. Ich heirate die fabelhafteste Frau der Stadt.« Hoffentlich beobachtete mich keiner, wie ich mit meinem Spiegelbild sprach.

 

Plötzlich kamen mir miese Gedanken. Vor Jahren wollte mein bester Freund den Bund fürs Leben eingehen. Er war der glücklichste Mensch, den ich gesehen hatte. Wie ich heute. Damals hatte sich heraus gestellt, dass er eine Trickbetrügerin geheiratet hatte. Ehe er es bemerkte, hatte sie ihn ausgenommen und war mit all seinen Wertsachen verschwunden. Ich fragte mich, ob Mia, meine Zukünftige, zu so etwas fähig war.

 

Ehe die Gedanken ins Negative abschweiften, beschloss ich, dem Rat meines Kung-Fu-Meister nachzugehen. Seine Worte hatte ich glockenklar in den Ohren: »Wenn du nicht weiter weißt, geh meditieren.« Gegenüber von meinem Haus befand sich ein kleiner Wald. Ich zog die feinen Lackschuhe aus und ging barfuß in den Wald. Um die Uhrzeit schlich sonst niemand hier herum. Insofern störte es mich nicht barfuß zu laufen. Nach ein paar Metern erreichte ich einen Baumstumpf. Hier saß ich öfters und meditierte. Ich setzte mich im Schneidersitz hin und schloss die Augen. Nervosität ließ mein Herz heftig pochen. Langsam versuchte ich, Ruhe zu finden. Atmete tief ein und aus. Minuten später, spürte ich, wie mein Herz ruhiger schlug. Die Vögel zwitscherten, der Wind rauschte durch die Blätter und über meinen Kopf, auf dem die Haare nur noch spärlich wuchsen. An den Armen verspürte ich eine Gänsehaut.

 

Langsam öffnete ich die Augen. Sofort schossen mir Erinnerungen in den Kopf. Allerdings schöne Gedanken. Es war schließlich bewiesen, dass Menschen die ihr Leben miteinander teilten, Probleme zusammen meisterten und füreinander da waren, deutlich glücklicher lebten. Warum sollte Mia eine Trickbetrügerin sein? Nachdem Vorfall mit meinem besten Freund, wäre mir etwas Mieses an ihr sicherlich aufgefallen. Entschlossen, endlich die Liebe fürs Leben zu heiraten, stand ich auf und ging zurück zum Haus.

 

Fast zu spät erreichte ich die Kirche. Mein bester Freund und Trauzeuge kam auf mich zu. Hektisch klopfte er auf seine Uhr, um mir deutlich zu verklickern, wie knapp ich an der Kirche ankam.

 

mehr lesen 0 Kommentare

Die verschwundene Socke

Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder soweit, es gibt eine Kurzgeschichte aus meinem Fernstudium. Gestern ist es von meiner Studienleiterin korrigiert zurück gekommen.

Dieses Mal ging es darum, einen Dialog zu schreiben, wo ein Konflikt behandelt wird. Ich bin gespannt, wie es Euch gefällt und bin gespannt auf Euer Feedback. :-) Und wenn es Euch gefällt, dann teilt es mit der Familie, euren Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, usw.

Eure Sandra

 

 

»Schatz, wo ist die dunkelblaue Socke?«

Mein Mann rief genervt aus dem Schlafzimmer. Statt zu antworten, rollte ich mit den Augen und deckte den Frühstückstisch.

»Clara?«, brüllte er.

»Woher soll ich das wissen?«

Den Teller knallte ich absichtlich auf den Tisch. Mir ging dieses leidige Thema auf die Nerven. Plötzlich hörte ich, wie Sven die Treppe herunter gestampft kam.

»In meiner Schublade liegen tausend einzelne Socken.«

»So viele Socken hast du nicht!«

»Jetzt sag mir, wo das passende Stück ist!«

»Da wo du sie hingelegt hast.«

Ohne Sven zu beachten, schenkte ich mir Kaffee ein.

»Willst du auch?« Ich zeigte auf den Kaffee.

»Ich will meine Socke! Wie sieht das aus, wenn ich mit zwei unterschiedlichen Socken in der Bank herumlaufe?«

»Zieh halt welche an, von denen noch zwei gleiche da sind!«

Wütend schritt er davon. Von oben hörte ich es poltern. Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es fiel mir schwer, hart zu bleiben. Natürlich wusste ich, wo die Socke war. Meine langen, blonden Haare band ich mir zum Zopf zusammen. Gespannt lauschte ich dem polternden Geräusch und grinste verschmitzt. Als ich eine Tür knallen hörte, schrak ich zusammen.

»Ich frage jetzt ein letztes Mal. Wo ist die andere Socke?«

»Wie ein großer Teddybär siehst du aus. Also, wie ein wütender Teddy...«

»Mir ist nicht zum Spaßen zu Mute!«, unterbrach er mich.

Es sah zu niedlich aus, wenn Sven wütend war. Er hatte rote Ohren und seine blauen Augen funkelten. Seine Haare waren stylisch zur Igel-Frisur gegeelt, dabei berührten sie fast den Türrahmen. Sven war groß und schlaksig. Niedlich, wie er da stand.

»Ich find das auch nicht mehr lustig.«

Nun war auch ich aufgestanden und stemmte meine Hände in die Hüften.

»Ständig muss ich deine Klamotten zusammen-suchen, wenn ich waschen will.«

»Warum?«

»Warum? Das fragst du noch so blöd?«

»Meine Sachen werfe ich brav in den Wäschekorb.«

»Ach ja? Dann weißt du ja, wo deine Socke ist!«

»Nein, dass weiß ich nicht!«

Schnellen Schrittes ging ich an ihm vorbei. Als ich merkte, dass er mir nicht folgte, ging ich zurück und schaute um die Ecke.

»Kommst du?«

»Wozu?«

»Damit du weißt, wo deine scheiß Socke ist.«

Sauer stampfte ich die Treppe nach oben. Langsam trottete er hinter mir her. Er wusste genau, was ihn erwarten würde.

»Hier im Schlafzimmer ist die Socke nicht«, maulte er mich an.

»Das stimmt, aber der Wäschekorb steht hier, wo du alles so brav rein tust.«

 

Schnell bückte ich mich und hob sein T-Shirt auf, welches hinter dem Wäschekorb lag.

»Du brauchst nicht so genervt stöhnen!«

»Reg dich wegen dem einen Teil nicht so auf!«

Fix ging ich zum Bett und griff nach der Unterhose, die darunter lag.

»Da gibt es noch mehr.«

Grimmig ging ich auf ihn zu und zog in an der Hand hinter mir her.

»Was willst du im Bad?«

»Die Badewanne und der Schrank unter dem Waschbecken sind keine Zwischenlager für den Wäschekorb!«

»Ja, Chefin.«

»Hör auf, mit den Augen zu rollen.«

Wir gingen ins Wohnzimmer, wo ich diverse Strümpfe aus der Ritze der Couch hervorholte.

»Da ist ja meine Socke.«

»Das nächste Mal entsorge ich alles, was ich außerhalb des Wäschekorbes finde!«

»Ja, ist doch gut jetzt. Ich denke ab sofort dran.«

Wir gingen durch den Flur in die Küche, als er plötzlich mitten im Flur rief:

»Schatz, über deinen BH auf der Kommode, sprechen wir morgen. Oder?«

Verdutzt schaute ich ihn an und dann brachen wir gemeinsam in schallendes Gelächter aus.

mehr lesen 2 Kommentare

Liebe auf Umwegen

Hallo ihr Lieben,

 

ich habe mal wieder eine kleine Kurzgeschichte für Euch. Dabei handelt es sich um meine fünfte Einsendeaufgabe für die "Schule des Schreibens". Es hat sehr viel Spaß gemacht das zu schreiben. Ich bin gespannt wie es Euch gefällt.

Über ein Feedback von Euch würde ich mich sehr freuen. Gerne könnt ihr meine Geschichten mit Euren Freunden, Verwandten, Bekannten, Arbeitskollegen, usw. teilen.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen :-)

 

Liebe Grüße
Sandra

Liebe auf Umwegen – (Erzählung)

„Können diese Augen lügen?“, fragte mich der junge Mann. Dabei sah er mich mit seinen braunen Augen, wie ein unschuldiger Hund an. In seinen Händen hielt er zwei Karten, die hell leuchteten, denn seine Hautfarbe war leicht gebräunt. Innig schaute er mir tief in die Augen als wolle er mich mit seinem Blick hypnotisieren. Ehe ich seinem Blick verfallen konnte und Gefahr lief meinen Spieleinsatz zu erhöhen, antwortete ich ihm schnell: „In diesem Fall schon!“
Black Jack gehörte zu den beliebtesten Kartenspielen in einem Casino. Ich saß zwar nicht in Las Vegas und zockte um Geld, dennoch war es genauso spannend. Diana und ich waren zusammen im Urlaub auf Fehmarn. Auf dem Campingplatz gab es jeden Abend im Show-Zelt eine Attraktion. Heute war Casino-Abend. Wir spielten mit Jettons und nicht mit echtem Geld. Es war unser letzter Abend und der Animateur verdrehte mir wahrlich den Kopf. Ich fragte mich, warum er mir bisher nicht aufgefallen war.
„Konzentriere dich mal, sonst gewinnt der doch noch“, stupste meine Freundin mich in die Seite. Ray, so hieß der Animateur, hatte uns bereits gesagt, dass der Dealer gewinnen würde. Das wollten Diana und ich allerdings vermeiden. Runde für Runde versuchte er uns die Jettons aus der Tasche zu ziehen. Bei den beiden anderen, die mit uns am Tisch saßen, klappte dies auch wunderbar. Kurze Zeit später waren meine Freundin und ich alleine mit Ray am Tisch. Meine langen blonden Haare fielen mir halbseitig ins Gesicht und verdeckten mein Auge. Es schien ihm zu gefallen. Diana schaute er nicht so eindringlich an. Als er mir eine weitere Karte verdeckt zuschob, berührten sich unsere Hände. Sie fühlten sich warm und weich an. Einen Moment verharrte ich und genoss die Berührung. Dabei schauten wir uns tief in die Augen. Mein Herz begann zu pochen. „Noch eine Karte?“, fragte er. Er riss mich aus meinen Gedanken und ich nickte, ohne dabei in meine Karten zu sehen. Es musste ja passieren. „Verdammt, du lenkst mich ab“, murrte ich. „Ich mach doch gar nichts.“ Da war er wieder, dieser unschuldige Hundeblick.
„Ich muss hoch in die Bar und Musik auflegen“, sagte Ray kurze Zeit später. Wir nickten und dann verließ er den Tisch.
„Wäre der nicht was für dich?“, fragte Diana neugierig. Sie hatte bemerkt, dass ich von der Bar aus die ganze Zeit zum DJ-Pult herübergestarrt hatte. „Ich würde ihn sofort nehmen. Aber wir wohnen viel zu weit auseinander“, gab ich zu bedenken. „Ach was. Liebe kennt keine Entfernung.“
„Ola, Ladies, diese Drinks gehen auf den DJ“, unterbrach uns der Barmann. Ich schaute zu Ray rüber, der mich daraufhin süß anlächelte. Leider hatte alles ein Ende, auch der Abend. Ich war angetrunken und der Abschied fiel mir schwer. Wir tauschten nicht einmal Handynummern aus.

Nun saß ich wieder zu Hause in meiner Wohnung und starrte schon seit Stunden auf das Foto, das Diana von Ray und mir gemacht hatte. „Verflixt, er muss doch irgendwo im Internet zu finden sein“, sagte ich. Aber mit seinem Namen konnte ich ihn nirgendwo in sozialen Netzwerken finden. Plötzlich fiel mir der Name seines Kollegen ein, Brain. Schnell hatte ich ihn gefunden und durchsuchte seine Freundesliste. Es dauerte eine Ewigkeit, denn es waren mehr als fünfhundert Leute. Nach gut drei Stunden hatte ich endlich sein Bild entdeckt. Mit seinem DJ-Namen war er dort angemeldet. Da hätte ich lange suchen können. Ohne zu zögern, schrieb ich ihn an und war baff, dass ich nur wenige Minuten später eine Antwort von ihm erhielt. Wir tauschten unsere Handynummern und er versprach, am Abend anzurufen.
Mein Smartphone brummte und auf dem Display erschien sein Name. Meine Hände wurden ganz feucht. „Hi schöne Frau“, hörte ich seine
Stimme. „Hi. Wie geht’s dir?“, fragte ich schüchtern.
„Danke, mir geht es sehr gut. Sag mal, wenn du am Wochenende Zeit hast, können wir uns sehen. Ich muss in den Süden zum Auflegen und fahre dann bei dir vorbei, wir könnten uns dann kurz sehen?“ „Klar, das wäre schön“, sagte ich aufgeregt.
Endlich war Wochenende. Die Zeit war nur schleppend vergangen und ich wartete nervös auf ihn. Endlich kam er zur Tür herein und wir bestellten uns einen Kaffee. Diesen Abend erfuhr ich sehr viel von ihm. Sein Leben war nicht gerade einfach und als DJ war er viel unterwegs. Ein Überlebenskünstler. Mal lief es richtig gut und mal hatte er kaum Geld. Aber das war mir egal. Er hatte mich bereits in seinen Bann gezogen und ich wusste, dass ich nicht mehr ohne ihn leben wollte. Der Abend ging viel zu schnell vorbei und es war an der Zeit Abschied zunehmen. Schweren Herzens gingen wir zum Auto, dabei wurde jeder Schritt schwerer und der Kloß im Hals größer. „Hey, schöne Frau. Sei nicht traurig“, sagte er und versuchte mich zu trösten. Als wir an seinem Auto standen, drückte er mich ganz fest und streichelte mir liebevoll über den Rücken. Gerade als ich mich zum Gehen abwenden wollte, hielt er meine Hand fest und zog mich eng an sich ran. Tief schaute er in meine Augen, seine Hand strich sanft über meine Wange. Langsam kamen wir uns näher, ich schloss meine Augen, seine weichen Lippen berührten meine liebevoll. Einen leidenschaftlicheren Kuss hatte ich zuvor noch nie bekommen. Als wir uns lösten, strich er mir sanft über die Wangen und mit dem Daumen über meine Lippen. „Süße, wir werden uns wiedersehen“, sagte er und stieg ins Auto.

0 Kommentare

Feuer auf Schloss Gerbenau

 „Hast du auch noch andere Sachen außer deine Bilder im Kopf?“, fragte mich meine Mutter und schaute mich missbilligend an. Kopfschüttelnd ging ich wieder in meine Scheune, wo ich mit viel Liebe meine Bilder malte. Kevin, unser Stallbursche, wollte mir nachher helfen ein paar Bilder in die Galerie zu bringen. Am Wochenende ist meine Ausstellung und ich war sehr gespannt darauf. Viele hatten sich auf meine Einladung hin gemeldet und zugesagt. Bei dem Gedanken daran wurde mir flau im Magen. Seit mein Mann vor vier Jahren tödlich verunglückt war, hatte ich mich neben der Zucht von Pferden, auf mein Hobby, das Malen konzentriert. Meine Mutter war kurz nach dem Tot von ihrem Schwiegersohn zu mir auf das Schloss gezogen und griff mir unter die Arme so gut wie sie nur konnte.

„Mama, Mama, wann gibt es endlich Essen?“, fragte Benni und kam stürmisch in die Scheune gelaufen. Dabei hätte er fast die Bilder umgerannt. „Du sollst doch nicht immer so flott davon laufen“, kam Kevin keuchend hinter hergelaufen. Gerade als ich schimpfen wollte, lächelte mich Benni mit seinem süßesten Grinsen an. Es fiel mir wirklich schwer dabei ernst zu bleiben: „Oma müsste das Essen bereits fertig haben. Geht doch schon mal vor. Ich komme gleich nach“, sagte ich zu den Beiden. Kevin nickte mir zur und nahm Benni an die Hand. Ich war froh, dass Benni und Kevin so gut miteinander zurecht kamen. Auf dem Weg zum Schloss sah ich jemanden in den Stall huschen. Mir kam die Person nicht bekannt vor, also beschloss ich nachzusehen und ging ebenfalls zu den Stallungen rüber. Leise öffnete ich die Tür und merkte wie die Pferde unruhig waren. Plötzlich sah ich einen Schatten. Der Eindringling musste um die Ecke stehen. Ängstlich griff ich nach der Mistgabel. Mein Herz schlug immer schneller als ich dem Schatten immer näher kam. An der Ecke angekommen, hielt ich den Atem an und blieb kurz stehen. Dann schoss ich mit einem Mal um die Ecke und schlug ins Leere.

Der Eindringling hatte sich aus dem Staub gemacht. Gerade als ich mich richtig darüber ärgern wollte, hörte ich es unter dem Heuhaufen niesen. Na warte, dachte ich und ging langsam darauf zu. „Komm raus!“, sagte ich in einem Befehlston. Eigentlich hatte ich erwartet, dass nichts passiert, aber dann bewegte sich der Heuhaufen und heraus kam – unser Nachbarskind Katherina Schröder. „Was willst du schon wieder hier? Ich habe dir bereits mehrfach gesagt, dass du hier nicht herumlungern sollst!“ „Ich wollte halt eine Runde chillen. Reg dich ab!“ Meine Wut wurde immer größer. „Sieh zu das du Land gewinnst“, brüllte ich Katherina an und zeigte mit dem Finger nach draußen. Sie strecke mir die Zunge heraus und zeigte mir den Mittelfinger. Sicherlich war es für ein 12-jähriges Kind nicht einfach, wenn man von der Großstadt auf das Land zog, aber musste man sich deswegen völlig daneben benehmen? Familie Schröder war vor einem halben Jahr hierher gezogen und seitdem tauchte ihre Tochter immer wieder bei uns auf und lungerte bei uns herum. Obwohl die Eltern von Katherina gehobene Leute waren, benahm sie sich wie das letzte Gossenkind.

 

Als ich in die Küche kam, roch es verdammt gut. Meine Mutter kochte wirklich vorzüglich und mir lief das Wasser im Mund zusammen. Benni hatte sich für heute Jägerschnitzel mit Pommes gewünscht. Er erzählte fröhlich von seinem Tag im Kindergarten und was er alles mit Kevin erlebt hatte. Die Beiden hatten zusammen den Stall ausgemistet und später war Kevin mit Benni noch auf dem Reitplatz gewesen. Der Kleine liebte Pferde über alles und freute sich auf das tägliche Reiten mit Kevin. Es war wirklich schön mit anzusehen, wie Benni beim erzählten strahlte. „Kann Oma mich heute ins Bett bringen?“, fragte Benni und schaute mich frech grinsend an. „Klar gerne. Dann kann ich mit Kevin meine Bilder zur Galerie bringen“, zwinkerte ich Benni zu.
Ich wusste, dass Benni es gerne hatte, wenn ihn meine Mutter ins Bett brachte. Benni wusste genau wie er seine Oma um den Finger wickeln konnte, sodass er noch etwas länger wach bleiben durfte. Da ich heute Abend noch etwas zu tun hatte, hatte ich nichts dagegen. Nach dem Abendessen machten Kevin und ich uns daran, die ersten Bilder in die Galerie zu bringen. Es waren zwar noch nicht viele, aber wenigstens sah der Raum nun nicht mehr so leer aus. Meine letzte Ausstellung war bereits einige Zeit her. Irgendwie hatte mir zeitweise der Mut zum Malen gefehlt oder die Inspiration.

 

Es war schon fast Mitternacht als ich wieder ins Schloss kam. Leise schloss ich die Tür auf und schlich durch das Dunkle, als plötzlich jemand das Licht anmachte. „Lass uns noch ein Glas Wein zusammen trinken“, sagte Hildegard, meine Mutter und schaute mich ernst an. Eigentlich war ich sehr müde, aber ich wusste auch, dass es nichts bringen würde meiner Mutter zu widersprechen. Kaum hatte ich einen Schluck getrunken sagte meine Mutter: „Was ist los mein Kind?“ „Alles gut“, gab ich kurz zurück. Allerdings wusste ich, dass meine Mutter nicht locker lassen würde. „Ich merke doch, dass du etwas hast“, sagte sie erneut und schaute mich eindringlich an. „Du hast ja Recht. Ich mache mir Gedanken wegen Katherina. Sie lungert immer bei uns herum. Die Eltern scheinen sich nicht um sie zu kümmern. Ihre Kleidung, schwarz und trostlos. Als ich sie vorhin wieder im Stall erwischt habe, roch sie nach Rauch. Ich mache mir wirklich Sorgen. Vielleicht sollte ich mal mit ihren Eltern sprechen.“ Verwundert schaute mich meine Mutter an: „Misch dich nicht in die Erziehung von anderen ein. Du hast mit deinem Leben wirklich genug zu tun. Außerdem hast du früher auch bei den Nachbarn herumgelungert und Äpfel vom Baum geklaut. Solange sie nichts anstellt, lass das Mädchen doch.“ „Hm, wenn du meinst. Ein gutes Gefühl habe ich dabei aber nicht“, gab ich zurück und nahm dann einen Schluck Wein.

 

Die Tage vergingen wie im Fluge und ich wurde immer nervöser. Übermorgen soll meine Ausstellung starten und ich hatte noch einiges zu tun. Ich war froh, dass meine Mutter und Kevin sich um Benni kümmerten und ich den Kopf frei hatte. Vieles musste noch organisiert und erledigt werden. Morgen sollen dann die restlichen Bilder in die Galerie gebracht werden. Völlig erschöpft viel ich am Abend ins Bett. Unruhig schlief ich ein, drehte und wälzte mich im Bett, als ich plötzlich einen komischen Geruch durch das offene Fenster vernahm. „Patriza komm schnell, die Stallungen brennen“, kam meine Mutter schreiend im mein Zimmer geplatzt. Plötzlich war ich hellwach, zog mir schnell einen Pullover an, schlüpfte in meine Schuhe und rannte nach draußen. Die Flammen waren mittlerweile groß und hatten auf den Schuppen übergegriffen. Die Pferde, meine Bilder, dachte ich und rannte schneller. Kevin war bereits dabei die Pferde aus den Boxen zu lassen und die Feuerwehr rückte auch schon an. Krampfhaft versuchten wir mit Wassereimern zu löschen. „Ich muss meine Bilder retten“, rief ich meiner Mutter panisch zu. „Du kannst da doch nicht rein“, schrie sie mich an. Sie versuchte mich am Arm zu packen, doch ich war so nass geschwitzt, dass ich ihr förmlich aus den Händen glitt. Die Scheune stand bereits in Flamme und ich versuchte mir einen Weg durch das Feuer ins Innere zu erkämpfen. Mit einem nassen Tuch vor den Mund nutzte ich einen passenden Moment ab, um in die Scheune zu kommen. Viele Bilder hatten bereits Feuer gefangen und ich versuchte die heilen Bilder noch zu retten und packte sie unter den Arm. Kurz bevor ich wieder raus gehen wollte, kam ich ins Stolpern und die Bilder fielen der Länge nach zu Boden. Dort lag jemand auf der Erde. Nur schwer konnte ich erkennen wer es war. Dennoch musste ich helfen. Schnell vergaß ich die Bilder und versuchte den Körper anzuheben. Mit einer Kapuze und das Gesicht vermummt, vernahm ich an der Leichtigkeit des Körpers, dass es ein Kind sein musste. „Hilfe, ich habe hier ein Kind gefunden“, schrie ich durch das Feuer nach draußen. „Gehen Sie von der Tür weg.“ Gerade als ich außer Reichweite war wurde die Tür mit einem Ruck geöffnet und das Feuer an der Tür gelöscht, sodass wir raus konnten. Völlig erschöpft und fertig mit den Nerven ließ ich mich ins Gras sinken.

 

„Oma schau, Mama macht die Augen auf“, hörte ich Benni zu meiner Mutter sagen. Sanft strich mir meine Mama über die Wange: „Na mein Kind. Wie geht es dir?“ „Ich habe Durst.“ Langsam richtete ich mich auf und schaute in besorgte Gesichter. „Ihr schaut aber sehr beunruhigt. Was ist mit den Stallungen und meinen Bildern?“, fragte ich neugierig. „Die Stallungen und die Scheune sind völlig abgebrannt. Die Bilder konnten wir nicht mehr retten. Du wirst deine Ausstellung morgen absagen müssen!“ Erschrocken sprang auf und schaute auf das Gelände, rüber den zu abgebrannten Gebäuden. „Absagen? Das kommt nicht fragen. Seit Monaten arbeite ich daran. Dann gibt es eben nur eine kleine Ausstellung. Weiß man wer das Feuer gelegt hat?“ „Ja. Das Mädchen was du gefunden hast, ist Katherina gewesen. Ihr geht es mittlerweile wieder gut. Das Mädel hat zugegeben, dass sie heimlich im Stall geraucht hat und dabei von etwas erschreckt wurde. Vor lauter Panik hat sie dann die Zigarette fallen lassen“, erzählte meine Mutter. „Was? Ich glaub es nicht, für den Schaden wird sie aufkommen müssen“, sagte ich wütend.

 

mehr lesen 1 Kommentare

Die geheimnisvolle Stadt

Hallo ihr Lieben,

 

pünktlich zum Valentinstag gibt es wieder eine neue kleine Geschichte von mir. Es ist meine dritte Einsendeaufgabe von meinem Fernstudium. Ich bin gespannt wie sie Euch gefällt und bin neugierig auf Eurer Feedback.

In der Aufgabe ging es darum, ein Bild zu beschreiben. Das Bild ist weiter unten im Text zu sehen.

 

Ich wünsche Euch allen einen schönen Valentinstag :-) 

 

Eure Sandra

 

©Sandra König

Die geheimnisvolle Stadt

 

 

Mit weit ausgebreiteten Armen schließe ich meine Augen und genieße die Sonne auf meiner Haut. Jeden einzelnen Strahl nehme ich in mir auf. Der laue Sommerwind weht mir um die Nase. Wellen peitschen gegen die Klippen und ich höre das Meer rauschen. Eine Weile lass ich die Zeit stillstehen und genieße den Moment. Plötzlich höre ich ein Geräusch und öffne meine Augen. Zwei Jungs spielen mit dem Ball und laufen die Treppen hinunter. Mir bleibt der Atem stehen und ich hoffe, dass keiner fällt. Die kleinen Gassen schlängeln sich die Stadt entlang und wirken dabei geheimnisvoll. Mein Blick schweift über die Stadt. Vom höchsten  Punkt Santorins aus habe ich einen wunderbaren Überblick. Dabei bleiben meine Augen an einer Kirche hängen.

Santorin, Griechenland   (Quelle: Brad Pict-Fotolia)