Das Land der Feen und Elfen

Es war eine düstere Novembernacht und ich war allein Zuhause. Der Hund hatte schon ein paar Mal angeschlagen, als er gegen Mitternacht endlich Ruhe gab. Ich wälzte mich noch eine Weile hin und her, hörte das alte Haus ächzen und knarren und war gerade eingeschlafen, als ich spürte, dass es ganz hell im Zimmer geworden war.

Ich öffnete meine Augen und sah vor dem Fenster eine Lichtkugel schweben. Verwundert rieb ich meine Augen. Mein Herz begann wild zu pochen. Obwohl Angst mich überkam, zog mich mein Körper zu dem Licht. Vorsichtig öffnete ich das Fenster. Behutsam und ängstlich griff ich nach der Lichtkugel. Es fühlte sich warm und prickelnd zu gleich an. Funken sprühten aus der Kugel. Plötzlich, und ich wusste nicht wie es geschah, wurde ich in das Licht hineingezogen.

"Da ist er ja", hörte ich Stimmen.

Sie klangen friedlich, als würden sie singen. Vorsichtig öffnete ich meine Augen, knippte sie schnell wieder zu, denn es war so hell, dass ich kaum etwas sehen konnte.

"Mein Junge."

Diese Stimme kannte ich, es war mein Vater. Aber wie war das möglich? Er und meine Mutter waren vor zehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vorsichtig richtete ich mich auf und blickte mich um. Neben mir kniete nicht nur mein Vater, sondern auch meine Mutter.

"Mum? Dad?"

"Ja Timbo, wir sind es", schluchzte meine Mutter.

"Wie kann das sein? Ihr seid doch tot!"

"Das erklären wir dir alles später. Wir sind so froh, dass du nun in diese Welt kommen kannst."

Was hatte das zu bedeuten? Vorsichtig stand ich auf und sah, dass einige Leute um uns herum standen und mich lächelnd anschauten. Sie sahen seltsam aus, sie hatten spitze Ohren, ihre Haut glitzerte und, oh mein Gott, einige schwebten in der Luft. Ängstlich fühlte ich mit meinen Fingern an den Ohren, sie waren ebenfalls spitz. Panisch begann ich zu schreien, schloss meine Augen, als ich etwas Unsanftes an meinem Körper spürte.

"Timbo, wach auf", hörte ich die Stimme meiner Großmutter.

"Timbo! Du hast geträumt!"

Endlich konnte ich meine Augen öffnen und blickte in die Augen meiner Oma. Schweißgebadet lag ich in meinem Bett. Panisch sprang ich heraus, trat vor den Spiegel und betrachtete meine Ohren. Erleichtert atmete ich durch. Ein Glück nur ein Traum, dachte ich.

"Timbo, was ist los mit dir?"

Besorgt blickte meine Großmutter mich an.

"Nichts, alles in Ordnung. Nur ein Traum."

"Dann ist ja alles gut. Ich dachte schon, wir müssten deinen 16. Geburtstag in der Notaufnahme verbringen. Komm her mein Junge, ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag."

"Danke", gab ich verlegen zurück.

"Nun zieh dir was an, ich hab dir einen Kuchen gebacken."

Ich zwang ein Lächeln über meine Lippen, als meine Großmutter mein Zimmer verließ. Meinen Geburtstag hatte ich völlig vergessen. Kopfschüttelnd ging ich ins Bad, zog mich aus und schlüpfte unter die Dusche. Das warme Wasser, lief über meinen durchtrainierten Körper, leicht braun, war er von der Sonne gebrannt.

"Ich hab ein Geschenk für dich. Komm mit."

Verwundert stand ich vom Esstisch auf und folgte meiner Großmutter nach draußen.

"Der hier ist für dich, damit ich dich nicht immer herumkutschieren muss", lächelte sie.

"Oma, dass ist Wahnsinn. Ein Roller, deswegen, sollte ich mich durch die Fahrstunden und die Prüfung quälen?"

"Genau. Er gehört nun dir."

Ich sprang aufgeregt durch die Gegend. Er sah total geil. Schwarz mit Rennstreifen drauf.

"Aber fahr schön vorsichtig", rief meine Oma mit erhobenem Zeigefinger.

"Natürlich! Was denkst du von mir?"

"Ja, ja, ich kenne doch deine Clique."

"Ach Oma, die sind wirklich großartig. Darf ich gleich los?"

"Warte. Ich hab noch was?"

Verwundert schaute ich meine Großmutter an. In der Hand hielt sie ein kleines Schächtelchen.

"Aber Oma, das ist viel zu viel."

Verlegen schaute ich sie an.

"Dies ist nicht von mir."

"Aber von wem dann?"

Meine Großmutter war die Einzige, die ich von der Familie noch hatte.

"Was ist das?", fragte ich verwundert.

"Mach es auf, dann weißt du es."

Neugierig öffnete ich die Schachtel. Verwundert schaute ich hinein. Ich zog an dem Leder, dabei überströmte mich ein Kribbeln im ganzen Körper. Was hatte das zu bedeuten? Ich hielt eine Kette mit einem Schlüssel als Anhänger in der Hand.

"Oma, was ist das?"

"Timbo, dies gab mir deine Mutter, ehe sie starb."

"Aber?"

"Psst, hör mir zu", erwiderte meine Oma.

Sie legte ihren Zeigefinger auf die Lippen, nahm mir die Kette aus der Hand und legte sie mir um den Hals.

"Deine Mutter bat mich, sie dir an deinem 16. Geburtstag zu geben. Du darfst sie nie wieder ablegen!"

"Aber warum?"

"Alles zu seiner Zeit, Timbo. Sei ohne Sorge. Der Schlüssel wird dich behüten."

"Oma? Was soll das heißen? Erklär es mir!"

Doch sie drehte sich um und ging ins Haus. Ehe ich hinterher gehen konnte, wurden mir plötzlich die Augen zu gehalten.

"Happy birthday", erklang die Stimme von Christel.

Freudig drehte ich mich zu ihr herum. Vergaß für einen Moment meine Gedanken, hob sie hoch und drehte sie im Kreis.

"Christel", rief ich freudig.

"Was ist das für eine schöne Kette?"

Hastig versteckte ich sie unter meinem Shirt.

"Hier, das ist für dich", sagte Christel.

"Ein Geschenk? Aber du bist doch schon ein Geschenk", erwiderte ich.

Liebevoll, strich ich ihr über die Wange. Langsam näherte ich mich ihren Lippen. Mein Herz pochte. Unsere Lippen trafen sich. Ein Feuerwerk, machte sich in meinem Körper breit, als ihre Zunge die meine fand.

"Bravo, der Loser hat es geschafft, mein Mädchen zu küssen", hörten wir eine tiefe Stimme.

Erschrocken löste ich mich von Christel und sah Eric. Er war ihr Ex. Panisch wich Christel zurück. Schützend baute ich mich vor ihr auf.

"Timbo, wenn dir dein Leben etwas bedeutet, dann lässt du sie gehen."

"Verpiss dich aus ihrem Leben", rief ich wütend.

Eric kam auf mich zu. Und dann passierte es. Ich wusste nicht wie es geschah. Als ich meine Hände auf sein Gesicht presste, um ihn nach hinten zu schieben, sprühten helle Lichtfunken aus meinen Händen. Eric wurde mit einer Wucht nach hinten geschleudert. Panisch liefen seine Freunde davon und auch Eric rappelte sich auf und rannte davon.

"Du Freak!"

Erschrocken schaute ich auf meine Hände, die Kette begann zu Leuchten.

"Was war das?"

"Ich weiß es nicht", rief ich panisch.

Schweiß lief mir über das Gesicht. Mein Atem ging schwer. Mit meinen Händen ging ich durch mein schwarzes, kurzes Haar. Ich musste weg.

"Es tut mir Leid", wisperte ich zu Christel und begann zu rennen.

Vor meinen Augen begann es zu flackern, bis ich erschöpft auf die Knie sank.

"Wir müssen es ihm sagen", hörte ich wieder die Stimme meiner Mutter.

Langsam öffnete ich meine Augen. Es dauerte einen Moment, bis ich klar sehen konnte.

"Mum?", flüsterte ich.

"Ich bin hier, mein Junge. Der Schlüssel funktioniert also, dass ist gut."

"Bin ich tot?", fragte ich.

"Nein, aber du bist in Sicherheit. Du musst lernen mit deinen Fähigkeiten zurecht zu kommen."

"Bitte was? Bin ich ein Freak? Überhaupt ihr seid tot."

Timbo, das ist nur ein Traum. Werd wach, versuchte ich mich zu beruhigen. Vorsichtig setzte ich mich auf. Neben mir knieten meine Eltern.

"Unsere Körper sind tot, aber unsere Seelen, leben hier ewig weiter. Du wirst uns immer besuchen können. Oder du bleibst ganz hier, wie andere unserer Art auch."

"Wie meinst du das? Andere unserer Art?"

"Timbo, du bist ein Elf", flüsterte meine Mutter.

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