Ein unwiderstehliches Angebot

»Wow,«, hörte ich meinen Freund aufgeregt rufen.

 

Während ich das Bad säuberte, war er, wie immer, an seinem Laptop beschäftigt. Patrick war Eventmanager und Überlebenskünstler. Weil er freiberuflich arbeitete, war er mal hier und mal dort, aber nie fest an einem Ort. Meine Neugier trieb mich zu ihm ins Wohnzimmer.

 

»Was ist der Wahnsinn?«, fragte ich.

 

Erschrocken schaute er mich an und klappte den Laptop zu, als  ich mich neben ihn setzte.

 

»Ähm, nichts«, stotterte er.

 

Ich rollte mit den Augen und Patrick drehte verlegen seinen Kopf zur Seite. Dabei kam sein Feuermahl, hinter dem Ohr zum Vorschein. Ihm war es peinlich und er versuchte es mit seinen Haaren zu verdecken. Seine braun, gelockten Haare strich er übers Ohr, was aber nicht reichte, um das Mahl zu verstecken Seine Haare sahen jedes Mal, wie frisch durchgewuschelt aus. Nervös biss er auf der Unterlippe herum. Gestern Abend war er aus München gekommen, wo er seine Wohnung hatte. Wir führten eine Fernbeziehung, die sehr gut lief. Patrick war kein Mensch, den ich an einen Ort binden konnte, aber ich ließ ihm diese Freiheit, denn unsere Liebe war stark genug.

 

»Jetzt sag schon. Hast du etwas ausgefressen?«, hakte ich erneut nach.

 

»Nein, also nicht direkt. Versprich mir, dass du nicht sauer wirst, wenn ich dir sage, was geschehen ist!«

 

»Versprochen«, gab ich zurück.

 

Er fuhr den Laptop hoch und ich sah ein Angebot von einer Rederei. Mit aufgerissenen Augen starrte ich auf den Bildschirm. Zeile für Zeile lass ich mehrfach das Anschreiben, damit ich mich auch nicht irrte.

 

»Wow, krass«, sagte ich, als ich fertig war.

 

Ich lehnte mich nach hinten an die Couch und grübelte darüber nach, wie das wohl gehen sollte, wenn er auf dem Schiff war und nur selten Netz zum Telefonieren oder Schreiben hatte.

»Schatz, ich weiß, das ist nicht das, was du gerade lesen wolltest, aber du weißt, dass ich da von träume.«

»Ich weiß.«

Liebevoll nahm ich seine Hand und lächelte ihn an.

»Leb deinen Traum und nimm das Angebot an. Wer weiß, wann du so eine Chance wieder bekommst.«                     

»Echt jetzt?«, fragte er erstaunt.

»Ja echt jetzt. Die Rederei bietet dir an, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, davon hast du lange geträumt. Du wärst schön blöd, wenn du es nicht annimmst. Die Welt steht dir offen und du wirst viel erleben, was du an Land nicht geboten bekommst.«

Patrick quietschte vor Freude und drückte mich so fest, dass ich kaum Luft bekam. Meine Bedenken äußerte ich nicht, schließlich gönnte ich ihm sein Glück, auch wenn ich unter seiner Abwesenheit leiden würde.

»Und was wird aus uns?«, fragte er plötzlich und wurde ganz ruhig.

 

»Wir kriegen das schon hin. Erstmal sind es ja nur drei Monate«, gab ich zurück.

 

»Du könntest sicher mitkommen und mich begleiten?«

 

»Ach Patrick, du weißt doch, dass ich mein gewohntes Umfeld brauche.«

 

»Komm schon, sei mal spontan. Wir würden zusammen etwas erleben.«

 

»Und was ist nach den drei Monaten? Ich hab einen festen Job und die Wohnung«, gab ich zu bedenken.

 

»Die Wohnung können wir von meinem Gehalt locker halten und wer weiß, vielleicht findest du auf dem Schiff einen Job und dann bleiben wir länger an Bord.«

 

Ich schüttelte den Kopf und ging zurück ins Bad.

 

Während Patrick in den letzten Wochen nur mit dem Thema Schiff beschäftigt war, machte ich mir Gedanken darüber, wie die Beziehung weitergehen sollte. Ich wollte ihn nicht verlieren, also fasste ich schweren Herzens einen Entschluss.

 

»Das Abschiedsessen mit deiner Familie gestern war verdammt schön. Ich werde dich vermissen«, sagte Patrick.

 

Er wirkte etwas traurig, als der Abschied nahte. Von meinem Entschluss sollte er im letzten Moment erfahren.

 

»Du solltest deine Koffer ins Auto bringen, sonst verpasst du die Fähre in Hamburg«, sagte ich und Patrick nickte.

 

Als er seine Koffer verstaut hatte, stand ich neben ihm am Auto.

 

»Nun heißt es Abschied nehmen«, schluchzte er.

 

»Meinst du nicht, du hast noch was vergessen?«, fragte ich.

 

»Nein, ich hoffe nicht?«

 

»Und was ist mit den Koffern, die noch im Wohnzimmer stehen?«

 

»Ich hab alle«, Patrick stockte, »welchen Koffer denn noch?«, fragte er neugierig. 

 

Er schien zu ahnen, was ich meinte und nun musste ich grinsen.

 

»Du kommst doch nicht etwa doch mit?«

 

Ich nickte und Patrick nahm mich in den Arm, hob mich hoch und drehte mich freudig im Kreis.

 

»Ist das geil. Schatz, ich freu mich so. Wir werden eine wunderbare Zeit zusammen haben.«

 

»Wehe wenn nicht«, scherzte ich.

 

Und so geschah es, dass ich meinen bisherigen Lebenstrott vergaß und meinem Herzen folgte. Schon am Abend legten wir, im Hamburger Hafen ab und es ging weit hinaus auf die See.

 

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