Der schönste Tag des Lebens

Hallo meine lieben Leser und Leserinnen,

um Euch die Zeit auf mein neues Buch zu verkürzen, stelle ich Euch hier meine Kurzgeschichten vor, die ich in meinem Fernstudium schreiben muss. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen meiner neuen Story. Ich hoffe, dass sie Euch gefällt. Gerne dürft Ihr sie auch teilen :-) Vielen Dank. Nun gehts aber los.

Liebe Grüße

Eure Sandra

 

»Keiner hatte mir gesagt, dass die Nervosität vorher stündlich steigt«, sagte ich zu meinem Spiegelbild. Um mich zu beruhigen, zog ich das weiße Hemd und den schwarzen Anzug an. Mit zitternden Händen versuchte ich, die Krawatte zu binden. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie endlich saß.

 

Zufrieden schaute ich in den Spiegel und lächelte: »Das wird der schönste Tag meines Lebens. Ich heirate die fabelhafteste Frau der Stadt.« Hoffentlich beobachtete mich keiner, wie ich mit meinem Spiegelbild sprach.

 

Plötzlich kamen mir miese Gedanken. Vor Jahren wollte mein bester Freund den Bund fürs Leben eingehen. Er war der glücklichste Mensch, den ich gesehen hatte. Wie ich heute. Damals hatte sich heraus gestellt, dass er eine Trickbetrügerin geheiratet hatte. Ehe er es bemerkte, hatte sie ihn ausgenommen und war mit all seinen Wertsachen verschwunden. Ich fragte mich, ob Mia, meine Zukünftige, zu so etwas fähig war.

 

Ehe die Gedanken ins Negative abschweiften, beschloss ich, dem Rat meines Kung-Fu-Meister nachzugehen. Seine Worte hatte ich glockenklar in den Ohren: »Wenn du nicht weiter weißt, geh meditieren.« Gegenüber von meinem Haus befand sich ein kleiner Wald. Ich zog die feinen Lackschuhe aus und ging barfuß in den Wald. Um die Uhrzeit schlich sonst niemand hier herum. Insofern störte es mich nicht barfuß zu laufen. Nach ein paar Metern erreichte ich einen Baumstumpf. Hier saß ich öfters und meditierte. Ich setzte mich im Schneidersitz hin und schloss die Augen. Nervosität ließ mein Herz heftig pochen. Langsam versuchte ich, Ruhe zu finden. Atmete tief ein und aus. Minuten später, spürte ich, wie mein Herz ruhiger schlug. Die Vögel zwitscherten, der Wind rauschte durch die Blätter und über meinen Kopf, auf dem die Haare nur noch spärlich wuchsen. An den Armen verspürte ich eine Gänsehaut.

 

Langsam öffnete ich die Augen. Sofort schossen mir Erinnerungen in den Kopf. Allerdings schöne Gedanken. Es war schließlich bewiesen, dass Menschen die ihr Leben miteinander teilten, Probleme zusammen meisterten und füreinander da waren, deutlich glücklicher lebten. Warum sollte Mia eine Trickbetrügerin sein? Nachdem Vorfall mit meinem besten Freund, wäre mir etwas Mieses an ihr sicherlich aufgefallen. Entschlossen, endlich die Liebe fürs Leben zu heiraten, stand ich auf und ging zurück zum Haus.

 

Fast zu spät erreichte ich die Kirche. Mein bester Freund und Trauzeuge kam auf mich zu. Hektisch klopfte er auf seine Uhr, um mir deutlich zu verklickern, wie knapp ich an der Kirche ankam.

 

»Wo bleibst du? Mia hat schon Angst, dass du nicht mehr kommst«, fauchte er mich an.

 

»Ich bin doch jetzt da. Reg dich ab!«, blaffte ich zurück.

 

Plötzlich kamen mir Zweifel. Was, wenn die Erinnerungen und Ängste mich vor einem falschen Schritt zurückhalten sollten? Allerdings fuhr ich zu Hause rechtzeitig los, um pünktlich hier zu sein.  Meine Gedanken schossen wild durch den Kopf. Mein Herz raste unendlich schnell. Abrupt blieb ich stehen und japste nach Luft. Erschrocken schaute mein bester Freund mich an:

 

»Alter, alles in Ordnung bei dir?«

 

»Es ist nur...«, ich stockte.

 

»Hey, das ist normal. Jetzt komm endlich. Sind schon alle in der Kirche.« Aufmunternd klopfte er mir auf die Schulter und zog mich am Arm mit sich mit.

 

 

 

Die Glocken klangen hell durch die Luft, dann spielte die Orgel und Mia betrat die Kapelle. Sie sah wunderschön aus. Mit jedem Schritt, den sie mit ihrem Vater näher kam, wurde mein Lächeln größer. Endlich hielt ich ihre Hand und wir gaben uns vor Gott das Ja-Wort.

 

Zwei Jahre nach der Hochzeit, kuckten wir uns gemeinsam Bilder von der Trauung an. Ich schämte mich zwar dafür, dennoch erzählte ich Mia von meinen Ängsten und dass ich im Wald zum Meditieren gewesen war. Verwundert schaute sie mich an und strich mir liebevoll über die Wangen.

 

»Ich liebe dich über alles«, flüsterte sie mir ins Ohr.

 

»Hach Schatz, es war der schönste Tag meines Lebens.«

 

Mittlerweile wusste ich, dass es nicht nur wissenschaftlich bewiesen war, sondern dass der Alltag zu zweit deutlich glücklicher und leichter war. Jede Hürde meisterten wir gemeinsam, das Glück erschien doppelt so groß und die Welt viel bunter. Zusammen kuschelten wir uns auf die Couch und küssten uns liebevoll.

 

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