Die verschwundene Socke

Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder soweit, es gibt eine Kurzgeschichte aus meinem Fernstudium. Gestern ist es von meiner Studienleiterin korrigiert zurück gekommen.

Dieses Mal ging es darum, einen Dialog zu schreiben, wo ein Konflikt behandelt wird. Ich bin gespannt, wie es Euch gefällt und bin gespannt auf Euer Feedback. :-) Und wenn es Euch gefällt, dann teilt es mit der Familie, euren Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, usw.

Eure Sandra

 

 

»Schatz, wo ist die dunkelblaue Socke?«

Mein Mann rief genervt aus dem Schlafzimmer. Statt zu antworten, rollte ich mit den Augen und deckte den Frühstückstisch.

»Clara?«, brüllte er.

»Woher soll ich das wissen?«

Den Teller knallte ich absichtlich auf den Tisch. Mir ging dieses leidige Thema auf die Nerven. Plötzlich hörte ich, wie Sven die Treppe herunter gestampft kam.

»In meiner Schublade liegen tausend einzelne Socken.«

»So viele Socken hast du nicht!«

»Jetzt sag mir, wo das passende Stück ist!«

»Da wo du sie hingelegt hast.«

Ohne Sven zu beachten, schenkte ich mir Kaffee ein.

»Willst du auch?« Ich zeigte auf den Kaffee.

»Ich will meine Socke! Wie sieht das aus, wenn ich mit zwei unterschiedlichen Socken in der Bank herumlaufe?«

»Zieh halt welche an, von denen noch zwei gleiche da sind!«

Wütend schritt er davon. Von oben hörte ich es poltern. Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es fiel mir schwer, hart zu bleiben. Natürlich wusste ich, wo die Socke war. Meine langen, blonden Haare band ich mir zum Zopf zusammen. Gespannt lauschte ich dem polternden Geräusch und grinste verschmitzt. Als ich eine Tür knallen hörte, schrak ich zusammen.

»Ich frage jetzt ein letztes Mal. Wo ist die andere Socke?«

»Wie ein großer Teddybär siehst du aus. Also, wie ein wütender Teddy...«

»Mir ist nicht zum Spaßen zu Mute!«, unterbrach er mich.

Es sah zu niedlich aus, wenn Sven wütend war. Er hatte rote Ohren und seine blauen Augen funkelten. Seine Haare waren stylisch zur Igel-Frisur gegeelt, dabei berührten sie fast den Türrahmen. Sven war groß und schlaksig. Niedlich, wie er da stand.

»Ich find das auch nicht mehr lustig.«

Nun war auch ich aufgestanden und stemmte meine Hände in die Hüften.

»Ständig muss ich deine Klamotten zusammen-suchen, wenn ich waschen will.«

»Warum?«

»Warum? Das fragst du noch so blöd?«

»Meine Sachen werfe ich brav in den Wäschekorb.«

»Ach ja? Dann weißt du ja, wo deine Socke ist!«

»Nein, dass weiß ich nicht!«

Schnellen Schrittes ging ich an ihm vorbei. Als ich merkte, dass er mir nicht folgte, ging ich zurück und schaute um die Ecke.

»Kommst du?«

»Wozu?«

»Damit du weißt, wo deine scheiß Socke ist.«

Sauer stampfte ich die Treppe nach oben. Langsam trottete er hinter mir her. Er wusste genau, was ihn erwarten würde.

»Hier im Schlafzimmer ist die Socke nicht«, maulte er mich an.

»Das stimmt, aber der Wäschekorb steht hier, wo du alles so brav rein tust.«

 

Schnell bückte ich mich und hob sein T-Shirt auf, welches hinter dem Wäschekorb lag.

»Du brauchst nicht so genervt stöhnen!«

»Reg dich wegen dem einen Teil nicht so auf!«

Fix ging ich zum Bett und griff nach der Unterhose, die darunter lag.

»Da gibt es noch mehr.«

Grimmig ging ich auf ihn zu und zog in an der Hand hinter mir her.

»Was willst du im Bad?«

»Die Badewanne und der Schrank unter dem Waschbecken sind keine Zwischenlager für den Wäschekorb!«

»Ja, Chefin.«

»Hör auf, mit den Augen zu rollen.«

Wir gingen ins Wohnzimmer, wo ich diverse Strümpfe aus der Ritze der Couch hervorholte.

»Da ist ja meine Socke.«

»Das nächste Mal entsorge ich alles, was ich außerhalb des Wäschekorbes finde!«

»Ja, ist doch gut jetzt. Ich denke ab sofort dran.«

Wir gingen durch den Flur in die Küche, als er plötzlich mitten im Flur rief:

»Schatz, über deinen BH auf der Kommode, sprechen wir morgen. Oder?«

Verdutzt schaute ich ihn an und dann brachen wir gemeinsam in schallendes Gelächter aus.

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin Pfirschke (Samstag, 04 Juni 2016 15:25)

    Halli-Hallo
    Einfach toll,weiter so.
    Freue mich schon auf Dein
    nächstes Buch.
    Ich kann nur sagen,
    weiter so.Wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße
    Karin

  • #2

    Heike König (Freitag, 12 August 2016 18:42)

    Liebe Sandra!
    Diese Kurzgeschichte ich sehr schön und man muss echt schmunzeln :-)
    Die Geschichte ist aus dem echten Leben gegriffen und es finden sich
    bestimmt ganz viele Leute wieder in dieser Geschichte. Mach weiter so.
    Ich freu mich auf ganz viele Bücher und Kurzgeschichten von dir :-)
    Ganz liebe Grüße deine Mama