Liebe auf Umwegen

Hallo ihr Lieben,

 

ich habe mal wieder eine kleine Kurzgeschichte für Euch. Dabei handelt es sich um meine fünfte Einsendeaufgabe für die "Schule des Schreibens". Es hat sehr viel Spaß gemacht das zu schreiben. Ich bin gespannt wie es Euch gefällt.

Über ein Feedback von Euch würde ich mich sehr freuen. Gerne könnt ihr meine Geschichten mit Euren Freunden, Verwandten, Bekannten, Arbeitskollegen, usw. teilen.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen :-)

 

Liebe Grüße
Sandra

Liebe auf Umwegen – (Erzählung)

„Können diese Augen lügen?“, fragte mich der junge Mann. Dabei sah er mich mit seinen braunen Augen, wie ein unschuldiger Hund an. In seinen Händen hielt er zwei Karten, die hell leuchteten, denn seine Hautfarbe war leicht gebräunt. Innig schaute er mir tief in die Augen als wolle er mich mit seinem Blick hypnotisieren. Ehe ich seinem Blick verfallen konnte und Gefahr lief meinen Spieleinsatz zu erhöhen, antwortete ich ihm schnell: „In diesem Fall schon!“
Black Jack gehörte zu den beliebtesten Kartenspielen in einem Casino. Ich saß zwar nicht in Las Vegas und zockte um Geld, dennoch war es genauso spannend. Diana und ich waren zusammen im Urlaub auf Fehmarn. Auf dem Campingplatz gab es jeden Abend im Show-Zelt eine Attraktion. Heute war Casino-Abend. Wir spielten mit Jettons und nicht mit echtem Geld. Es war unser letzter Abend und der Animateur verdrehte mir wahrlich den Kopf. Ich fragte mich, warum er mir bisher nicht aufgefallen war.
„Konzentriere dich mal, sonst gewinnt der doch noch“, stupste meine Freundin mich in die Seite. Ray, so hieß der Animateur, hatte uns bereits gesagt, dass der Dealer gewinnen würde. Das wollten Diana und ich allerdings vermeiden. Runde für Runde versuchte er uns die Jettons aus der Tasche zu ziehen. Bei den beiden anderen, die mit uns am Tisch saßen, klappte dies auch wunderbar. Kurze Zeit später waren meine Freundin und ich alleine mit Ray am Tisch. Meine langen blonden Haare fielen mir halbseitig ins Gesicht und verdeckten mein Auge. Es schien ihm zu gefallen. Diana schaute er nicht so eindringlich an. Als er mir eine weitere Karte verdeckt zuschob, berührten sich unsere Hände. Sie fühlten sich warm und weich an. Einen Moment verharrte ich und genoss die Berührung. Dabei schauten wir uns tief in die Augen. Mein Herz begann zu pochen. „Noch eine Karte?“, fragte er. Er riss mich aus meinen Gedanken und ich nickte, ohne dabei in meine Karten zu sehen. Es musste ja passieren. „Verdammt, du lenkst mich ab“, murrte ich. „Ich mach doch gar nichts.“ Da war er wieder, dieser unschuldige Hundeblick.
„Ich muss hoch in die Bar und Musik auflegen“, sagte Ray kurze Zeit später. Wir nickten und dann verließ er den Tisch.
„Wäre der nicht was für dich?“, fragte Diana neugierig. Sie hatte bemerkt, dass ich von der Bar aus die ganze Zeit zum DJ-Pult herübergestarrt hatte. „Ich würde ihn sofort nehmen. Aber wir wohnen viel zu weit auseinander“, gab ich zu bedenken. „Ach was. Liebe kennt keine Entfernung.“
„Ola, Ladies, diese Drinks gehen auf den DJ“, unterbrach uns der Barmann. Ich schaute zu Ray rüber, der mich daraufhin süß anlächelte. Leider hatte alles ein Ende, auch der Abend. Ich war angetrunken und der Abschied fiel mir schwer. Wir tauschten nicht einmal Handynummern aus.

Nun saß ich wieder zu Hause in meiner Wohnung und starrte schon seit Stunden auf das Foto, das Diana von Ray und mir gemacht hatte. „Verflixt, er muss doch irgendwo im Internet zu finden sein“, sagte ich. Aber mit seinem Namen konnte ich ihn nirgendwo in sozialen Netzwerken finden. Plötzlich fiel mir der Name seines Kollegen ein, Brain. Schnell hatte ich ihn gefunden und durchsuchte seine Freundesliste. Es dauerte eine Ewigkeit, denn es waren mehr als fünfhundert Leute. Nach gut drei Stunden hatte ich endlich sein Bild entdeckt. Mit seinem DJ-Namen war er dort angemeldet. Da hätte ich lange suchen können. Ohne zu zögern, schrieb ich ihn an und war baff, dass ich nur wenige Minuten später eine Antwort von ihm erhielt. Wir tauschten unsere Handynummern und er versprach, am Abend anzurufen.
Mein Smartphone brummte und auf dem Display erschien sein Name. Meine Hände wurden ganz feucht. „Hi schöne Frau“, hörte ich seine
Stimme. „Hi. Wie geht’s dir?“, fragte ich schüchtern.
„Danke, mir geht es sehr gut. Sag mal, wenn du am Wochenende Zeit hast, können wir uns sehen. Ich muss in den Süden zum Auflegen und fahre dann bei dir vorbei, wir könnten uns dann kurz sehen?“ „Klar, das wäre schön“, sagte ich aufgeregt.
Endlich war Wochenende. Die Zeit war nur schleppend vergangen und ich wartete nervös auf ihn. Endlich kam er zur Tür herein und wir bestellten uns einen Kaffee. Diesen Abend erfuhr ich sehr viel von ihm. Sein Leben war nicht gerade einfach und als DJ war er viel unterwegs. Ein Überlebenskünstler. Mal lief es richtig gut und mal hatte er kaum Geld. Aber das war mir egal. Er hatte mich bereits in seinen Bann gezogen und ich wusste, dass ich nicht mehr ohne ihn leben wollte. Der Abend ging viel zu schnell vorbei und es war an der Zeit Abschied zunehmen. Schweren Herzens gingen wir zum Auto, dabei wurde jeder Schritt schwerer und der Kloß im Hals größer. „Hey, schöne Frau. Sei nicht traurig“, sagte er und versuchte mich zu trösten. Als wir an seinem Auto standen, drückte er mich ganz fest und streichelte mir liebevoll über den Rücken. Gerade als ich mich zum Gehen abwenden wollte, hielt er meine Hand fest und zog mich eng an sich ran. Tief schaute er in meine Augen, seine Hand strich sanft über meine Wange. Langsam kamen wir uns näher, ich schloss meine Augen, seine weichen Lippen berührten meine liebevoll. Einen leidenschaftlicheren Kuss hatte ich zuvor noch nie bekommen. Als wir uns lösten, strich er mir sanft über die Wangen und mit dem Daumen über meine Lippen. „Süße, wir werden uns wiedersehen“, sagte er und stieg ins Auto.

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