Lebenswandel

Hallo ihr Lieben

In den Tagen vor Weihnachten war ich sehr fleißig und habe meine zweite Einsendeaufgabe in der Schule des Schreibens eingereicht. Die Nervosität ist doch immer recht groß. Ich selber war dieses mal nicht sicher, ob ich die Aufgabe richtig gelöst habe. Umso erleichterter war ich dann, als ich das Ergebnis heute bekommen habe. Meine Studienleiterin hat hier und da etwas verbessert. Nun bin ich gespannt, was ihr zu meiner Kurzgeschichte sagt. Ich freue mich über jeden Kommentar von Euch.

 

Eure Sandra

 

In der Aufgabe ging es darum, eine eigene Story zu dem Bild zu erfinden. Dabei sollte das Bild aber nicht beschrieben werden.

 

 

 

Bildquelle: Lernheft "Schule des Schreibens" GR02

 

© nicetosee-Fotolia

Lebenswandel

„Svenja, jetzt sag doch mal, was hast du von deinen Männern zum vierzigsten bekommen?“, fragt mich meine beste Freundin. Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee und erzähle dann „Ach Franzi, frag lieber nicht, sonst ärgere ich mich nur“, gebe ich kurz zurück. Natürlich muss sie aber nachfragen und ich beginne zu erzählen. „Jörg und ich haben seit Monaten Streit. Ständig muss er länger arbeiten, für seinen Sohn interessiert er sich nicht und mich ignoriert er völlig. Wenn er dann mal da ist, liegt er nur trostlos in der Ecke und murrt vor sich hin. Egal was ich mache oder wie sehr ich mich um ihn bemühe, ständig meckert er an mir herum. Heute Morgen hab ich einen Gutschein von Jörg zum Shoppen  bekommen und Marc hat gerade mal eine Umarmung zustande gebracht. Die beiden nerven mich total.“ „Oh je. Liebst du ihn denn noch?“, fragt Franzi vorsichtig. Eigentlich sollte ich die Frage mit „Ja“ beantworten, aber ich kann es nicht und schaue Franzi schweigend an. „Svenja, du musst was dagegen tun. Willst du ewig die Putzfrau für die beiden sein und ihnen alles in den Arsch schieben? Lass los und fang an zu leben. Du lachst seit Monaten schon nicht mehr. Warum nutzt du deinen Urlaub nicht mal für eine Auszeit und fährst zu deiner Mutter?“ Erstaunt schaue ich Franzi an. Der ewige Single gibt mir einen Rat. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser finde ich den Gedanken. „Vielleicht hast du Recht. Ich war schon lange nicht mehr bei meiner Mama auf dem Land“, sage ich und muss lächeln. Plötzlich sehe ich auf der anderen Straßenseite den Wagen von meinem Mann vorfahren. Sollte er mich doch an meinem Geburtstag überraschen? Doch dann macht er die Beifahrertür auf und seine Sekretärin steigt aus. Aufgedonnert von oben bis unten und dann, ich kann es kaum glauben, nimmt er sie in den Arm und küsst sie leidenschaftlich. Mit offenem Mund starr ich ihn an und Franzi greift nach meiner Hand. „Ich glaub, ich spinne.“

Die beiden kommen zu uns rüber und als Jörg uns sieht, lässt er erschrocken die Hand los: „Liebes, was machst du denn hier?“, fragt er scheinheilig. „Ach weißt du, ich dachte, ich schmeiß das Geld mal zum Fenster heraus, was du so hart verdienst mit deinen Überstunden“, sage ich. Dabei versuche ich cool und gelassen zu wirken. „Das ist nicht so wie es aussieht.“ Der klassische Satz, ich muss lachen. „Wir wollten gerade gehen“, mischt Franzi sich ein. Sie steht auf, legt das Geld auf den Tisch und zieht mich am Arm mit sich mit. Schweigend schlendern wir durch den Park nach Hause. Als wir an der Halfpipe vorbeigehen, bleibe ich plötzlich wie angewurzelt stehen. „Svenja, was ist los?“, fragt Franzi. Erschrocken zeige ich neben die Halfpipe, wo mein 14-jähriger Sohn steht. Als ich auf die Uhr schaue, ist es zwölf Uhr und eigentlich sollte er in der Schule sein. Stattdessen steht er hier mit größeren Jungs rum, raucht und trinkt Dosenbier. „Was hab ich nur getan, dass ich so bestraft werde?“ Kopfschüttelnd gehe ich weiter. „Willst du nicht hingehen?“, fragt Franzi. „Nein. Ich geh jetzt nach Hause, packe meine Sachen und fahre zu meiner Mutter.“ Franzi klatscht in die Hände und wir gehen zu mir nach Hause. Schnell packen wir ein paar Sachen zusammen. Jörg lege ich einen Zettel hin, dass ich ein paar Wochen weg bin und er seinen Sohn betrunken im Park einsammeln kann.

 

Nach zwei Stunden Autofahrt komme ich völlig verheult bei meiner Mama an. Überrascht macht sie die Tür auf und will mir freudig gratulieren, bis sie meine Tränen sieht. „Ach meine Kleine. Nun komm erstmal rein und beruhige dich.“ Meine Mutter wohnt in einem kleinen Haus, das direkt an einem See liegt. Sie stellt mir einen Tee hin und dann sprudelt es aus mir heraus. Dabei mache ich immer wieder eine Pause machen, weil ich bitterlich weinen muss. Schluchzend liege ich in ihren Armen und sie streicht mir über den Kopf. „Manchmal muss man Menschen gehen lassen, um wieder glücklich zu werden. Es kann nicht angehen, dass du für die beiden die Putzfrau spielst und dir alles gefallen lässt. Jetzt bleibst du erstmal hier und lässt dich von mir verwöhnen. Es ist dein Geburtstag, du solltest lachen und nicht weinen. Ich mach dir dein altes Zimmer fertig. Das Ruderboot liegt noch unten am Steg“, sagt mir meine Mutter und zwinkert mir zu. Ich stehe auf und gehe runter an den Steg. Schon als Kind bin ich auf den See gerudert und habe meine Gedanken treiben lassen. Entschlossen setzte ich mich ins Ruderboot und paddle auf den See hinaus. An meiner Lieblingsstelle bleibe ich stehen und lasse mich treiben. Links und rechts von mir sind die Bäume dicht bewachsen. Keine Menschenseele ist zu sehen, das Gras riecht frisch gemäht und die Vögel zwitschern. Eine ganze Weile genieße ich die Stille und merke, wie es mir langsam besser geht. Ich liebe diesen Ort.

 

 

Meine Mutter und ich sitzen am Frühstückstisch, als wir durch das Klingeln an der Tür aus unseren Gedanken gerissen werden. Meine Mutter steht auf und kommt kurze Zeit später mit Jörg und Marc im Schlepptau in die Küche. „Du hast nun lange genug geschmollt. Kommst du“, sagt Jörg. Ich versuche ruhig zu bleiben, was mir bei der Aussage aber nur schwer fällt. Marc schaut desinteressiert nach draußen. Tief atme ich durch und sage dann: „Nein. Ich komme nicht wieder zurück. Es ist aus, Jörg. Seht zu, wie ihr alleine klarkommt.“ Dann stehe ich auf und gehe nach draußen, runter an den See und paddle zu meiner Lieblingsstelle. Als ich später wieder zum Haus meiner Mutter komme, sind Jörg und Marc verschwunden. „Das war genau das Richtige“, sagt mir meine Mutter. Sie nimmt mich in den Arm und ich muss lächeln.

 

Wenn es Euch gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn Ihr es weitererzählt. Natürlich könnt Ihr das auch gerne bei Facebook oder Twitter teilen. :-)

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